Band 805: Der Echsenvampir

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Habibi Offline
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Band 805: Der Echsenvampir

Beitrag von Habibi »

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Erbarmungslos näherte sich die Monsterfratze dem verzerrten Gesicht des leichenblassen Jünglings. Der Druckergehilfe versuchte mit aller Kraft, den Vampir von sich fern zu halten, doch es war vergebens. Das Monstrum entblößte zwei nadelspitze Eckzähne. Ein Speicheltropfen rann an dem linken Zahn herab, schien für einen unendlich langen Moment an dessen Spitze festzufrieren ...
... und dann schlugen die Hauer des Vampirs zu! Der Jüngling starb, und niemand in der verlassenen Druckerwerkstätte hörte seinen grauenhaften Schrei. Kurze Zeit später erhob sich sein blutleerer Körper wieder. Doch nicht lange, denn sein Schicksal erfüllte sich zwischen den Klauen einer echsenartigen Kreatur ...

Erscheinungsdatum: 04.04.2005

Autor: W.K. Giesa

Cover: Candy Kay

Gucky67 Offline
Beiträge: 183
Registriert: Mi Feb 09, 2022 7:06 pm

Re: Band 805: Der Echsenvampir

Beitrag von Gucky67 »

Mainz, im August 1465. Arthur kommt in die Stadt Gutenbergs, um sich in einer der neuen Buchdruckereien als Geselle zu bewerben, er wird begleitet von seiner Gefährtin Johanna. Meister Hartmann fordert ein Probestück, Arthur fertigt daraufhin ein besonderes Druckersiegel an, eine Rose, und Hartmann nimmt ihn tatsächlich auf in seiner Werkstatt. doch in Wahrheit ist Arthur nicht auf Arbeitssuche - er ist gekommen, um einen Vampir zu jagen!

Arthur und Johanna teilen nicht nur Tisch und Bett miteinander, sondern gehen auch gemeinsam auf Dämonenjagd. sie hören, dass in Mainz schon mehr als zehn Tote aufgefunden wurden, alle mit einem gebrochenen Genick, und vermuten völlig richtig einen Dämon dahinter. durch Beobachtung kommen sie rasch dahinter, dass sich in der Werkstatt Hartmann ein Vampir herumtreibt, aber kein gewöhnlicher, denn sie können an ihm einen grünschuppigen Arm beobachten.

in der Gegenwart kommen Andrew Millings und Diana Cunningham auf Schloss Montagne, er hat schlechte Nachrichten: in seinen Alpträumen taucht immer häufiger die Feuerrose auf. einmal beobachtet Andrew in einem solchen Traum, wie ein Mann aus einem Hochhaus springt, ein Echsendämon hintendrein, sie kämpfen in der Luft, der Mann knallt auf den Asphalt, der Vampir verschwindet - der Tote ist Andrews Double! aus dem Asphalt wachsen Rosen, die in Flammen aufgehen...

Vergangenheit, Arthur und seine Gefährtin haben die Echsenkreatur gestellt und können sie vernichten, dabei wird Johanna aber verletzt und vom Dämonenkeim infiziert. der eigentliche Echsenvampir kommt Arthur auf die Schliche, dass er der Auserwählte ist, und berichtet Asmodis davon, ebenso, dass die Frau, einmal verwandelt, unweigerlich zu seiner Dienerin wird. der Dämon bleibt namenlos, wir erfahren lediglich nebenbei, dass er schon mal mit Gryf ap Llandrysgryf, dem Druiden vom Silbermond, gekämpft hat und nur knapp entkommen ist.

wieder in der Gegenwart erzählt Andrew - und wir haben mittlerweile verstanden, dass es sich um Arthur aus der Vergangenheit handelt - er berichtet also Zamorra von Johanna und endlich auch vom Echsenvampir. bei aktuellen Recherchen hat er festgestellt, dass dieser noch lebt, und zwar ausgerechnet in Mainz.

zurück am Abend Tisch erzählt Andrew weiter, der Autor schwenkt dabei in die Vergangenheit. Arthur ist verzweifelt ob der anstehenden Verwandlung seiner Johanna und will eine Entscheidung, die Vernichtung des Echsendämons erzwingen. derweilen stellt sich Asmodis in der Druckerei Hartmann ein, der Meister steht unter dem Bann des Echsenvampirs, gemeinsam lesen die beiden Dämonen in Johannas Gedanken und erkennen die Absichten Arthurs, dem sie eine Falle stellen werden.

Arthur taucht auf, konfrontiert Hartmann und dann den Echsenvampir, Asmodis taucht wieder auf, er lähmt Arthur und zaubert Johanna herbei. Arthus muss miterleben, wie sie sich endgültig verwandelt, dann wird er aus dem Gebäude geworfen, um das der Teufel einen Bann legt, sodass Arthur es eine Woche lang nicht betreten kann.

Andrews Hass auf den Teufel bringt Zamorra in der Gegenwart in die Zwickmühle, da ja Sid Amos mittlerweile der Hölle den Rücken gekehrt hatte, nur Nicole berichtet, dass die ihm eine Hand abschlagen konnte. Andrew kann nicht akzeptieren, dass Asmodis nicht mehr der Fürst der Finsternis ist. zu dritt fliegt man nach Mainz, Diana bleibt im Schloss zurück. in Gutenbergs Stadt findet gerade eine unheimliche Mordserie statt, man begibt sich zu der Stelle des letzten Mords - unweit von da, wo einst Hartmanns Druckerei stand - da taucht Sid Amos auf.

Schwenk in die Vergangenheit (das macht der Autor wirklich gut). Arthur verflucht sein Schicksal als Auserwählten, er hat den Plan, Johanna zu erlösen, sie zu rächen und selbst zu sterben - aber nur zum Schein, er will sich ausklinken aus dem Kampf gegen die Dämonen. um seinen Tod vorzutäuschen, braucht er Magie, und "ein Vehikel, in das er die schwarzmagische Entladung steuern konnte. Das Druckersiegel in der Presse! Es war dazu prädestiniert, die entfesselten Kräfte aufzunehmen und weiterzuleiten. Arthur lachte. Hartmanns Rose, in das Metall des Siegels eingearbeitet, gab ihm die Möglichkeit, alle zu überlisten. Die Rose würde brennen..." ein Schwarzmagier und Dämonenanbeter soll ihm bei seinem Plan helfen, als Gegenleistung, unterzutauchen, und nie wieder Dämonen zu jagen, fertigt der böse Zauberer eine magische Paste an, und bekommt eine passende Beschwörungsformel ausgehändigt.

in der Gegenwart ist Arthur fassungslos, als er Asmodis gegenübersteht, und darüber, dass Sid Amos im Auftrag eines Unbekannten, einer höheren Macht bei der Vernichtung des Echsenvampirs mithelfen soll. der habe sich in der Hölle über die letzten Jahrhunderte regeneriert, als Kanegro, der entkommene Dämon, in der Hölle von den Vorfällen auf Paxos berichtet; jetzt ist alles Kroppzeugs aus dem Häuschen, weil ein alter Auserwählten wieder da ist. Asmodis weiß, dass die Echse in einem Zementwerk wartet, die Morde waren eine Falle, eine gelegte Spur. tatsächlich warten in Mainz-Weisenau schon die Dienerkreaturen auf unsere Helden, im Kampf gegen die Unholde gehen Nicci und Zammy trotz Amulett und Dhyarrha von Trümmern getroffen zu Boden.

in der Vergangenheit kommt es jetzt zum Showdown! Arthur pfählt Johanna, und schafft es, im Kampf den Kopf des Echsenvampirs in die Druckerpresse zu kriegen, wo das Druckersiegel, die Rose, das er vorher mit der magischen Paste eingeschmiert hat, auf den Hinterkopf des Dämons drückt. dazu ruft er jetzt die magische Formel und versetzt die Rose in Glut, sie bohrt sich in den Kopf des Dämons. doch der kann sich spielend befreien, und als er sich vom Rosensiegel löst, springt die Glut auf Arthur über und setzt ihn in Brand. bevor der Echsenvampir triumphieren kann, springt Arthur auf ihn zu und steckt ihn ebenfalls in Flammen - dann zerfällt sein eigener Körper in der Druckerei... und ersteht an anderer Stelle wieder neu. Operation gelungen, Patient tot. der Echsenvampir würde lange brauchen, um sich von seinen Wunden zu erholen, doch er würde in der Hölle die Nachricht verbreiten, dass der Auserwählte vernichtet wurde. und nicht nur die Hölle würde von Arthurs Ende erfahren, auch die Hüterin der Quelle und alle ihr übergeordneten Instanzen. Arthur ist frei...

Schwenk zurück in die Gegenwart, Andrew steht dem Echsenvampir gegenüber, und ziemlich wehrlos, doch bevor der Dämon vom Leder ziehen und Andrew mit seiner Echsenklaue aufschlitzen kann, tritt Asmodis auf - und Zamorra wird gerade rechtzeitig wach, um alles mitzubekommen. der Teufel quatscht den Vampir nieder, um Zammy Zeit zu verschaffen. mit seinem Dhyarra-Kristall setzt der den Vampir in Brand, dieser flieht, Andrew hinterher. ein Nachtwächter stellt sich dem Echsendämon noch beherzt in den Weg und schießt auf ihn, diese Ablenkung nutzt Andrew und feuert mit Zamorras Blaster direkt in das Herz des Dämons, der daraufhin zu Staub zerfällt.

am Ende sorgt Asmodis noch für einen Knalleffekt - er handelt im Auftrag seines Bruders Merlin, und soll Andrew mitnehmen auf dessen Schloss Caermardhin...

👻 mein Senf 🧂

Gutenberg wurde um 1400 als Johannes Gensfleisch zur Laden in Mainz geboren und nannte sich, wie damals üblich, erst in den 1420er Jahren nach dem im Familienbesitz befindlichen "Hof zum Gutenberg". den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand er wohl um 1450, zwischen 1452 und 1454 druckte er die nach ihm benannte Gutenberg-Bibel, das erste mit beweglichen Lettern gedruckte Buch der westlichen Welt, möglicherweise um 1460 folgte das Catholicon, eine lateinische Grammatik. Kurfürst und Erzbischof von Mainz, Adolf II. von Nassau ernannte Gutenberg im Jahr 1465 zum Hofmann, das bedeutete freie Kost und Logis. Drei Jahre nach dieser Ernennung, 1468, verstarb Gutenberg. Geschichtsstunde aus.

unsere Story beginnt 1465, der Buchdruck kann also als topaktuelle Technologie gelten, die sich gerade etabliert. dennoch halten viele Zeitgenossen dieses neumodische Zeugs für Teufelszeugs - ein gutes Setting für eine Gruselgeschichte.

wir bekommen nochmal die "uralten Bestimmungen" erklärt, nach denen nur jeweils einer der Auserwählten vom Wasser des Lebens trinken kann, derjenige, der seinen Konkurrenten tötet, was wiederum zur Folge hat, dass der Sieger nach seinem eigenen Tod - der jederzeit auf gewaltsame Weise erfolgen konnte - als Mörder in die Hölle der Unsterblichen geführt wird. Zamorra umgeht diese perfide schicksalhafte Vorbestimmung durch einen Trick: als Sieger tötet er den Unterlegenen Torre Gerret nicht, und er bringt Nicole Wasser von der Quelle mit, so dass auch sie davon trinken und relativ unsterblich werden kann. Auserwählte hatten schon vor dem Aufsuchen der Quelle ein ungewöhnlich langes Leben, unser Andrew-Arthur hat zum Beispiel vorher schon fast 100 Jahre lang gegen Kroppzeugs gekämpft.

die Geschichte ist wieder schön komponiert, der Autor oszilliert geschickt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, wobei er die jeweiligen Protas - Arthur in der Vergangenheit, Andrew in der Gegenwart - in eine vermeintlich ausweglose Szene bringt, und vor dem Ausgang derselben in die andere Ebene wechselt. auch Analogien setzt er schön ein - im spätmittelalterlichen Mainz stürzt Arthur beim Kampf mit dem Echsendiener in die Tiefe, gleich drauf erlebt Andrew in der Gegenwart in seinem Alptraum seinen Sturz aus einem Hochhaus.

ein schöne Sprachbilder:
der Dom, der alles dominierte
die Furcht der Jungfrau nährte seine Seele, wie ihr Blut seinen Körper stärken würde

"Nacht für Nacht, jede Stunde, fand der Echsenvampir ein Opfer, das er zu seinem Diener machte"; jetzt hat Mainz 200.000 Einwohner, aber wenn da nächtelang stündlich ein Mensch stirbt, dann macht das zwar noch keine Legion, wie der Echsenvampir meint, aber mehr als genug Opfer, um den Notstand in der Stadt auszurufen und sie in eine Polizeifestung zu verwandeln; und der Dämon übertreibt gar nicht mal, beim Endkampf fallen tatsächlich Horden an Dienerkreaturen über unsere Helden her...

als Arthur von Johanna erzählt, bietet ihm Nicole wieder an, eine Pause zu machen, und ihm das Schloss zu zeigen, und "Andrew war sichtlich dankbar, dass der Informationsdruck von ihm genommen wurde". das ist ja völlig unlogisch, er kommt und sucht Hilfe und dann ist er froh, dass er nicht darüber reden muss?

bei der Besichtigung der Regenbogenblumen im Gewölbe treffen unsere Freunde auf Fooly, den Drachen, der mich einfach nur nervt, ich finde ihn weder fantastisch noch lustig. der Jungdrache ist zum Beispiel erstaunt, dass Zamorra auch Doktor ist, nicht nur Professor; ok, Fabelwesen sind hinsichtlich der menschlichen Akademikerwelt wohl wenig bewandert. die halblustige Episode zieht sich über einige Spalten, fand ich mühsam.

in einer beeindruckenden Szene fasst der Vampir geistig nach Johanna, die sich dagegen noch wehrt, bis sich der Teufel selbst mit seiner Magie direkt zu Johanna durchbohrt und ihre Gedanken ausliest: "das letzte Bisschen Mensch in Johanna wand sich und schrie, als sie bemerkte, wer sich ihr näherte, ihre tiefsten Gedanken aufspürte..." mir gefällt es, wenn der Teufel mit seiner überlegenen Magie Mensch und Dämon in Panik versetzt, selbst der Vampir ist erleichtert, als sich Asmodis wieder aus ihm zurückzieht.

Andrew kann nicht akzeptieren, dass Asmodis nicht mehr der Fürst der Finsternis ist - und ich auch nicht. diese ganze Assi-ist-Merlins-Bruder Chose, die turnt mich echt ab. Neil Gaimans Lucifer lässt auch die Hölle Hölle sein, aber er bleibt, wer er ist, der Teufel. recht angetan bin ich aktuell von Ian Rolf Hills Darstellung des Asmodis in der Serie John Sinclair - so stelle ich mir meinen Namensvetter schon eher vor.

"Ich habe mit einem Historiker der Universität telefoniert", erwiderte Andrew. "Es gibt hier die seltsame Fachrichtung Buchwissenschaft, wisst ihr? Der Institutsleiter dort, ein gewisser Professor Hässel, beschäftigt sich unter anderem intensiv mit Gutenberg und der frühen Druckzeit. Er sagte mir, er wisse selbstverständlich von der alten Druckerwerkstätte, doch heute sei von dem Gebäude kein Stein mehr vorhanden. Er war sehr zuvorkommend am Telefon."
den Mann scheint es tatsächlich zu geben, nur heißt er nicht Hässel, sondern Füssel...

Arthur bekommt bei seinem Wirten eine Fleischkeule, "daneben lagen einige Kartoffeln." die kamen aber erst ein gutes Jahrhundert später nach Europa, wir haben ja immer noch 1465...

der Cliffhanger am Ende ist für mich keiner, Merlin spielt zwar bei PZ eine Riesenrolle, aber kann mit ihm nicht viel anfangen. Merlin hat Pläne mit dem Auserwählten, und schickt den (ehemaligen) Teufel aus, um ihn aufzuklauben. naja.

👻 die Leserkontaktseite 👻

WKG erklärt auf "Robert Lamonts Geisterstunde" (=LKS), wie die Romane entstehen:
"Ich gebe die Storyline vor und der jeweilige Autor fügt seine Ideen hinzu. Oft hat er auch selbst eine tolle Idee, über die wir dann reden und sie in das Konzept ein-binden. Immer wieder werden gerade diese Romane "Lückenfüller" genannt, was sie aber in nur ganz seltenen Fällen sind. Irgendwo steckt immer eine kleine Gemeinheit, und irgendwann hat der Leser plötzlich sein Aha-Erlebnis."

WKG geht auch offen mit Kritik um - ein Stefan Porst findet "was hier abgeht, ist doch echt scheiße" (sic). unter anderem kritisiert er, dass die "Ewigen" in den Hintergrund wandern, wo doch gerade der SF-Anteil PZ zu dem Besonderen unter dem Heftromanen mache. Antwort WKG: "Fest steht aber, dass Science Fiction in PZ nicht so gut läuft und eher etwas für ein sehr kleines Publikum ist. Logische Folge: weniger SF, mehr Mystery und Fantasy."
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