Schade, 2 sehr gegensätzliche Bewertungen aber kein Kommentar. Dann gebe ich mal meinen Senf dazu...
Der Comte Jerome Moreau fällt der Französischen Revolution zum Opfer und soll schon bald Bekanntschaft mit der Guillotine machen. Doch er hat andere Pläne und beschwört in seiner Gefängniszelle den Dämon Astaroth. Astaroth will ihn nicht vor dem Fallbeil retten, aber er kann dafür sorgen, dass er nach seiner Hinrichtung weiterlebt. Als Gegenleistung muss er nur eine bestimmte Kirche in einem heiß umkämpften Gebiet entweihen. Klingt nach einem Deal!
Philippe Pascal beschreibt die Dämonenbeschwörung, die Hinrichtung und das anschließende „Wiederzusammensetzen“ sehr atmosphärisch. Braucht dafür aber auch fast die Hälfte der Geschichte. Mir gefällt das, ich brauche keine knallharte Monsteraction in hohem Tempo.
Nach einem ebenfalls sehr atmosphärischen Reisekapitel geht es im letzten Heftdrittel nach Sainte-Chapelle, wo der Comte die Kirche, entweihen soll. Ein doch nicht so gewöhnliches Gotteshaus. Es versiegelt ein Dämonentor und verhindert, das die Heerscharen der Hölle die Erde überrennen. Zum Glück sind einige der Dorfbewohner direkt misstrauisch dem Fremden gegenüber und haben so ein Heftromanbauchgefühl, dass er wegen dem Dämonentor hier ist. So ertappt ihn eine junge Frau auf frischer Tat, als er gerade die Kirche besudeln will. Ihre Schlägerei endet in einer kurzen Verfolgungsjagd, dann trickst der Comte sie aus und will sie erschießen.
Wieder muss der Heftromanzufall einschreiten. Was er in Form des Bäckersjungen Francois Fourier schon das ganze Heft über tut. Erst wird er zufällig Zeuge der Hinrichtung des Comte und beobachtet, dass dessen abgeschlagener Kopf noch lebt. Sicher nur Einbildung! Später schließt François sich den Revolutionstruppen an und ist zufällig in der Kompanie, die Richtung Sainte-Chapelle marschiert. Und sein Trupp stößt ebenso zufällig auf Jerome Moreau, der von Francois erkannt wird. Natürlich kann der junge Mann nichts sagen, niemand würde ihm die Geschichte glauben. Aber ausgerechnet er wird damit beauftragt, einer anderen Kompanie eine Nachricht zu überbringen und so stolpert er im perfekten Heftromantiming bei seinem Botenritt erneut über den Comte. Minutengenau, als er die Frau erschießen will. Das ist mir dann doch zu viel. Oder wird Francois von Gottes Hand geführt, wo Jerome Moreau ein Diener des Teufels ist? Irgendwie kann man sich ja alles zurechtreden.
Eine Aneinanderreihung von Heftromanzufällen hat dem Comte also die Tour vermasselt. Es ist schon schade, wenn ein gut geschriebener Bösewicht so überführt wird. Das Problem wäre gelöst. Da gibt es aber noch die anrückende Kompanie der Republikaner, die im Namen der Vernunft das lächerliche Gotteshaus entweihen könnte, wie sie es manchmal tun. Francois hat eine Idee und überzeugt seinen Capitaine, die Kirche mit einer Kanone zu beschießen. Wenn sie in Trümmern liegt, wird sich niemand mehr die Mühe machen, sie zu entweihen. Aber…würde es die Kirche nicht auch entweihen, wenn man sie zerstört? Ja gut, ihre Grundmauern stehen noch. Aber wenn es reicht, einer Heiligenfigur eine Jakobinermütze aufzusetzen, um die Kirche zu schänden, dann sollte eine Beschädigung des Interieurs und des Glockenturms doch auch zählen. Philippe Pascal macht mir hier noch auf den letzten Metern den Roman madig. Gerade mit den wichtigen Auflösungen. In einem Epilog versucht der Autor die Sache zwar noch zu erklären, indem Astaroth selbst meint, die komplette Zerstörung aus rein militärischen Gründen würde tatsächlich weniger reichen, als eine mutwillig beschädigte Heiligenstatue oder ein umgedrehtes Kreuz. Aber für mich passt das einfach nicht.
Bis auf das Finale habe ich grundsätzlich gar nichts an dem Roman auszusetzen. Schönes Oldschool Feeling. Atmosphärisch dicht und keine Action von Anfang bis Ende. Es passiert genau an den Stellen was, wo was passieren muss. Und es ist eine nette Abwechslung, mal den Bösewicht zu verfolgen und nicht den Helden.
Die Auflösung ist dann aber nicht meins, weil der böse Comte nur durch eine perfekt aufeinander abgestimmte Aneinanderreihung von Heftromanzufällen gestellt wird. Davon abgesehen ist die Szene aber doch stimmig.
Absolut nicht stimmig ist, wie verhindert wird, dass die Kirche entweiht wird. Indem der „Held“ seine Militärkompanie davon überzeugt, sie mit Kanonenfeuer zu zerstören. Das zählt dann nämlich nicht als entweiht. Aber ein Kreuz umzudrehen oder eine Heiligenfigur zu beschädigen (was in einer zerstörten Kirche nicht mehr geht) hätte gereicht. Komische Logik, zumal der Beschuss garantiert einige Heiligenfiguren oder Bildnisse beschädigt hat.
Ohne dieses für mich völlig dämliche Ende hätte ich dem Roman durchaus sehr gute 8 Punkte gegeben. Trotz den Heftromanzufallszufällen. Ich versuche meinen Ärger runterzuschlucken und will die Geschichte nicht zu sehr für zwei (entscheidende) Seiten abstrafen.
Immer noch SEHR Gute

(7 von 10 Totenköpfen)
Mehr von sowas! Für mich genau die richtige Mischung aus Oldschool-Feeling, ohne angestaubt oder schlecht geschrieben zu sein.