Handlung: Suko legt John eine Zeitung auf den Schreibtisch mit der Überschrift „Geisterjäger von Gespenst ermordet“. In dem Artikel geht es um den Hobby-Geisterjäger Nigel Billingsworth, der in einem kleinen schottischen Spukschloss vor zwei Tagen tot aufgefunden wurde. Nach dem Lesen befördert John die Zeitung kurzerhand in den Papierkorb. Einige Tage später soll sich John, im Auftrag von Sir James, mit der Studentin Stacy Albright treffen. Stacy ist die Tochter eines ehemaligen Studienfreundes von Sir James, dem der Superintendent noch eine Gefallen schuldete. Das Treffen wurde von Sir James in einem nahe gelegenen Pub organisiert. Stacy Albright erzählt John, dass sie die Recherche-Assistentin von Nigel Billingsworth war, der in Claymore Castle von einem Geist ermordet wurde. Drei Tage später wurde an gleicher Stelle auch die Leiche des Schlossverwalters gefunden. In beiden Fällen wurde ein Herzinfarkt als Todesursache diagnostiziert. Weil die Beweise für ihn nicht ausreichen, lehnt John eine Reise nach Schottland ab. Daraufhin gibt Stacy ihm noch eine kleine beschädigte Speicherkarte, bevor sie den Pub wutentbrannt verlässt. John übergibt die Speicherkarte den IT – Experten im Yard, die tatsächlich einiges wiederherstellen können. Nach der Sichtung des Materials erkennt John, dass er Stacy unrecht tat. Also macht er sich unverzüglich, mit einem von Sir James organisierten Polizeihubschrauber, auf den Weg nach Claymore um zu verhindern, dass Stacy das nächste Opfer des Geistes wird und den Spuk dort zu beenden.
Meinung: Mit diesem Roman stellte sich Henry Cardell als neuer Gastautor der Sinclair – Serie vor. Bislang schrieb Henry eine erfolgreiche Sub – Serie um den Geister jagenden Butler Isaac Finley, für den Gespenster-Krimi. Ob sein Wissen und Stil auch für einen John Sinclair – Roman reichen würde, musste er natürlich erst noch einmal beweisen. Das diesen Roman begleitende sehr gute Titelbild erstellte Thomas Greiwe mit KI – Software. Auf der Leser-Seite stellte sich Henry Cardell mit Interview und Bild erst einmal persönlich vor.
Den Schreibstil von Henry stufte ich von Anfang an als gut und überzeugend ein. Die gruselige Atmosphäre rund um Claymore Castle beschrieb er gut und gab sie im Stil der alten Edgar Wallace – Filme wieder. Auch in denen gab es stets viel Nebel und dunkle Gestalten. Die Kalauer im Büro, mit denen Suko und Glenda dieses Mal den Geisterjäger auf die Schippe nahmen, fehlten nicht und passten ebenfalls zum gewohnten Stil der Sinclair – Serie. Ich fand es auch realistisch, dass John, besonders vor dem Hintergrund der letzten Ereignisse, der Reise nach Claymore zunächst etwas skeptisch gegenüber stand und sie so lange ablehnte, bis er durch die Speicherkarte handfeste Beweise in den Händen hielt. Ansonsten könnte er ständig überall hin gelockt werden, während es einen Angriff an ganz anderer Stelle gab.
Es lang auf der Hand, dass das Motiv für den Zorn der Würgerin und ihre Morde darin lang, dass Nigel den skelettierten Kinderkopf an sich nahm und aus dem von ihm freigelegten zugemauerten Raum in Claymore Castle entfernte. Die Anbindung an die vorherigen Sinclair – Romane fehlte, wie schon angedeutet, auch nicht. Eben durch diese überwiegend negativen Erlebnisse war John sichtlich gezeichnet. Da sagte er dann im Frust auch schon einmal Sachen, die er mit besserer Laune gewöhnlich wohl nicht so gesagt hätte. Das war aber nur menschlich und verständlich.
Der von anderen Lesern geäußerten Meinung, dass es sich bei diesem Roman nicht um einen richtigen Sinclair – Roman handeln würde, weil ihm das gewisse Feeling fehlte, konnte ich mich nicht vorbehaltlos anschließen. Im Gegenteil fand ich, dass John hier wieder einmal zu seinen Wurzeln zurück kehrte, indem er einen Geist bekämpfte und damit seinem Spitznamen alle Ehre machte. Der Roman bot auch richtig gute Unterhaltung, weil es zwischendurch immer wieder humorvolle Momente gab. Ich hatte ihn einfach so herunter gelesen.
Was Stacy betraf, oder besser Lady Anastasia, erinnerte dieses fast an den Bond-Film „Im Geheimdienst ihrer Majestät“. Für John gab es am Ende also noch eine faustdicke Überraschung, bevor er auf der Rückfahrt noch einen Abstecher nach Lauder machen wollte. Stacy war eine Frau mit Geheimnissen, die durchaus das Potential für einen neuen wiederkehrenden Charakter hatte und gut zu einem Butler wie zum Beispiel Isaac Finley passen würde.
Lediglich zu Henrys Bemerkung, dass die Aktivierung des Kreuzes mit der berühmten Formel, die Macht der Erzengel herbei rufen würde, konnte man geteilter Meinung sein. Wenn John sich allein auf die Macht der Erzengel beschränken wollte, rief er sie persönlich an. Die Formel aber aktivierte die Kräfte des gesamten Kreuzes, über die reine Macht der Erzengel hinaus.
Insgesamt war es aber, für mich, ein solides und vielversprechendes Debüt von Henry Cardell auf dem man aufbauen konnte. Ich entschied mich, nach längerer Überlegung, dafür, den Roman mit der Note 3 = Befriedigend zu bewerten und damit 3 von 5 Kreuzen an Henry Cardell zu vergeben. Nach der im Forum üblichen Wertung stimmte ich mit
Gut ab.
