Im Schottischen Spukschloss Claymore Castle wird ein Autor und Hobbygeisterjäger tot aufgefunden. Danach erwischt es den Hausverwalter. John soll sich mit der jungen Stacy Albright treffen, einer Freundin des verstorbenen Autors. Vielleicht ist das ja ein Fall für ihn. Ihm genügt die Beweislage jedoch nicht und er hat genug wirklich gefährliche Gegenspieler, für die er sich bereithalten muss. Verstehe ich, meine Kritik bei Aufhängern zu solchen Geschichten ist ja oft „Kann die Vorarbeit nicht ein Praktikant erledigen?“ oder „Wenn die Geisterjäger jedem derartigen Hinweis nachgehen würden, hätten sie ja gar nichts anderes mehr zu tun“.
Stacy stampft wütend davon. Schaut sie sich das Spukschloss halt alleine an. Sie gibt John aber noch eine beschädigte Speicherkarte, die er von den IT-Experten auswerten lässt. Tatsächlich können die zwei Videos wiederherstellen. Auf einem davon legt der Autor einen zugemauerten Raum frei, in dem sich zwei alte Skelette befinden. Als er das Kinderskelett untersuchen will, gefällt das dem Schlossgespenst gar nicht und es greift den Mann an.
John erkennt nun seinen Irrtum und fährt zur Heftmitte Stacy Albright schnell hinterher. Hoffentlich kann er die junge Frau noch retten. Ja, der Roman legt ein eher ruhiges Tempo vor. Wie man es vom Autor kennt und vielleicht sogar wertschätzt. Zum Glück wird Stacy beim Einsteigen ins Schloss von einem Polizisten erwischt und verhaftet. In Claymore angekommen, wird John auf ihre unschöne Situation aufmerksam und hilft ihr. Das ist er ihr einfach schuldig.
Stacy weiß mehr über die Kammer, die Skelette und die ganze tragische Geschichte dazu. Offenbar wurde der Geist einer Lady Evaine befreit, die hier zusammen mit ihrem Kind bei lebendigem Leibe eingemauert wurde. Entsprechend schlecht ist die Lady drauf. Aber für einen erfahrenen Geisterjäger sollte das kein Problem sein, denke ich. Tatsächlich dauert es im Schloss nicht lange, bis der Geist von Lady Evaine sich meldet, aber John ist durch sein Kreuz geschützt und sie bleibt auf Abstand.
Da trifft John eine Entscheidung, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Mein erster echter Kritikpunkt in diesem Roman. Er gibt Stacy das Kreuz und schickt sie aus dem Schloss, damit er sich anhören kann, was den Geist so wütend macht. Damit liefert er sich aus, aber er hat so eine Theorie (wohl eher ein Bauchgefühl), dass die Lady nicht böse ist und einen Grund für ihr Verhalten hat. Hat sie sicher, jemand hat den Schädel ihres Kindes aus der Kammer gestohlen. Deshalb greift sie auch jeden Eindringling als potentiellen Dieb an. So wie John, der jetzt schutzlos ist. Zum Glück taucht in letzter Sekunde Stacy mit dem Kreuz wieder auf, weil sie die Idee genau so dämlich wie ich gefunden hat. Vielleicht sollte man sie ins erweiterte Team aufnehmen. Aber sowas entscheidet ja nur IRH.
Jedenfalls wissen sie jetzt, was sie brauchen. Trotzdem ist Stacy eher für eine drastische Lösung zu haben. Keine lange Schädelsuche. Kreuz, Zack Bumm, Geist vernichtet.
Nachdem sich die beiden im obligatorischen urigen Gasthaus getrennt haben, wird John vom Schädeldieb niedergeschlagen und entführt. Es handelt sich um den örtlichen Polizeinspektor Broadbent. Das ist eine Überraschung! Aber wieso hat er den Schädel mitgehen lassen? Weil der Kontakt mit ihm aufgenommen hat und ihn in seinen Bann gezogen hat. Naja, diese Erklärung ist mir etwas zu platt und beliebig. Beim darauffolgendem Kampf der beiden wird der Schädel zertrümmert. Der Inspektor ist wieder er selbst, aber die Sache mit der Geisterlady wird man jetzt nicht mehr friedlich lösen können.
Außerdem sucht Stacy nach John und vermutet, dass er alleine zum Schloss ist. Sie begibt sich auch dahin und bemerkt ihren Irrtum zu spät. Da stürzt sich der Geist schon auf sie. Zum Glück kommt John in letzter Sekunde dazu und vernichtet Lady Evaine mit der Kreuzformel. Der Klassiker. Aber besser so, als ein total ausgefallenes Finale. Gerade für einen Erstlingsband passt das.
Ich habe natürlich mitbekommen, dass Henry Cardell bei JS viele Kritiker hat und die Meinungen zu seinem Heften eher gemischt sind. Aber für mich passt das. Ich mag den Autor schon im GK und auch hier bin ich fast vollumfänglich zufrieden mit der Geschichte. Der Erzählstil hat mich irgendwie an den guten alten Jason Dark erinnert. Unaufgeregt, atmosphärisch, mit einer Prise augenzwinkerndem Humor und vor allem sehr bodenständig. Wenn die weiteren Hefte des Autors genau so sind, wird er bei mir auf einer Stufe mit Rafael Marques stehen.
Einen klaren Punkt Abzug durch Johns dämliche Idee mit dem Kreuz. Ein weiterer kleiner Minuspunkt ist die mangelhafte Erklärung zum Schädel. Insgesamt aber trotzdem

(8 von 10 Kreuzen) und ein SEHR GUT. Wenn „ihr“ euren IRH für Actionklopper habt, dann will ich meinen Henry Cardell für solche Geschichten behalten.
Auserwählter hat geschrieben: Do Nov 06, 2025 1:30 am
- Warum nimmt Billingsworth einen Kinderschädel mit, wenn er gerade von einem Geist gejagt wird? ich würde den sofort fallenlassen...
- Warum konnte Inspektor Broadbent den Schädel einfach so mitnehmen, ohne angegriffen zu werden?
- Warum wollte der Kinderschädel von seinem Mama-Skelett unbedingt weg?
1) Du bist ja auch kein Klischee-Geisterjäger. Billingsworth hat den tollen Schädel umklammert wie ein Klischee-Schatzjäger seinen erbeuteten Edelstein, wenn er von einer Meute wütender Indigener verfolgt und mit Pfeilen beschossen wird.
2) Weil der Schädel da schon Einfluss auf ihn ausgeübt hat und Mama ihn somit in Ruhe lies? Wie die Klischee-Raumfahrerin, die vom Alien mit Pheromonen besprüht wurde und die anderen Aliens sie in Ruhe lassen, weil das Alien unbemerkt Eier in ihrem Körper abgelegt hat.
3) Ja, hier fehlt mir komplett eine Erklärung. Da fällt mir auch kein passendes Klischee ein, um den Autor zu verteidigen.
