Band 815: Die Schlangenschwester

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Habibi Offline
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Band 815: Die Schlangenschwester

Beitrag von Habibi »

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"Das glaube ich einfach nicht!" Professor Zamorras Hand zitterte, als er Nicole den unscheinbaren Brief entgegen hielt.
"Schlechte Nachrichten von der Steuerfahndung?", scherzte sie.
"Mir ist nicht zum Scherzen zu Mute. Und dir gleich auch nicht mehr." Er reichte Nicole den Brief, den sie mit ernster Miene entgegennahm. Sie zog den Bogen hervor, entfaltete ihn - und stutzte.
Zamorra, mein Feind. Hilf mir- und hilf dir selbst, waren die ersten Worte. Hilf deiner Zukunft.
"Was soll das?", fragte Nicole, während ihr Blick nach unten wanderte, um zu sehen, wer den Brief unterschrieben hatte. Der Name traf sie wie ein Faustschlag.

Erscheinungsdatum: 22.08.2005

Autor: Christian Montillon

Cover: Maren

Gucky67 Offline
Beiträge: 183
Registriert: Mi Feb 09, 2022 7:06 pm

Re: Band 815: Die Schlangenschwester

Beitrag von Gucky67 »

Zamorras Herzschlag verlangsamte sich. Leere. Unendliche Einsamkeit und Verlorenheit. Ein Herzschlag... Nichts - ewiges Nichts. Kälte, die das Leben verbrannte. Zamorra schrie und schwankte unter den auf ihn einströmenden Emotionen, und er glaubte zu sterben. Das Nichts fraß seine Seele. Er war allein. Niemand mehr. Was immer ihn umgab, es war vorbei. Ende ohne Anfang, endlos. Zamorra verlor sich im Nichts, schwebte weg, versank...

zehn Tage vorher... Sandrine ist eine Clocharde, und wie ihre Freundin Carmen eine Werwölfin, beide Geschöpfe eines als Hexer getarnten Wolfdämons, der sie mit dem Keim infiziert hat. seither reißen sie nachtsüber Menschen, was sie tagsüber bereuen und in Verzweiflung stürzt. der Hexerdämon hat einen Auftrag für Sandrine, die unbotmäßige Carmen vernichtet er.

unser neuer Unsterblicher, Andrew Millings, taucht in Mostaches Dorfkneipe auf, Zammy & Nicci sollen ihm helfen, denn er wurde von Merlin beauftragt, in der Dimension Samila, die an einer Art Nahtstelle liegt, nach einem beunruhigenden Phänomen zu sehen.

genau dieselben Worte verwendet der Wolfsdämon gegenüber Sandrine. Samila bildet den Schnittpunkt von mehreren Dimensionen, eine der Welten dahinter ist für die Hölle äußerst wichtig. das Phänomen ist ein Dimensionsriss, manifestiert als grünes Leuchten. Sandrine soll den Riss für den Dämon schließen. der Hexer öffnet ihr einen Zugang, und sie stürzt nach Samila. anstelle des Dimensionsrisses steht sie aber auf einer Wiese einer schönen Frau und einer gewaltigen Schlange an ihrer Seite gegenüber. da geht unverhofft der Vollmond auf, sie verwandelt sich, es hebt ein Kampf an zwischen Werwölfin und Reptil. die Wolfskreatur kann die Schlange töten, doch die Frau ist unantastbar - im Gegenteil, mit Magie vernichtet sie den Werwolf, und verwandelt das, was vom Mensch Sandrine übrig bleibt, in etwas Neues, in eine Schlange, und sie wird so zur Hüterin der Schlangenschwester, der sie durch ihre schiere Existenz Lebensenergie gibt.

mittels der magischen Regenbogenblumen gelangen Andrew, seine Diana und unsere beiden Franzosen nach Samila, und auch die werden von einer der zehn Schlangenschwestern, als die sich die geheimnisvolle Frau mit ihrer Schlange zu erkennen gibt, willkommen geheißen. unsere Gefährten berichten vom Dimensionsriss, der diese Welt bedroht, und Alimas, so heißt die Dame, vertraut ihnen - denn sie erkennt, dass drei aus der Quelle des Lebens getrunken haben. Zamorras werden von ihrer "Betreuerin" ins Heim der snake sisters geführt, wo schon vier andere davon warten. unsere Gefährten werden hingehalten, man möge auch noch auf die anderen Schwestern warten, doch als Andrew letztlich die Hutschnur reißt, serviert ihnen Alimas die Geschichte der Ssswestern, die in Sssymbiose mit den Ssslangen leben, wobei sie relativ unsterblich sind, also ewig leben, aber sehr wohl eines gewaltsamen Todes sterben können. unsere Gefährten finden das alles ja auch recht interessant, wollen aber endlich weiter - doch sie werden gefangen genommen. nicht mal die Dhyarra-Magie hilft weiter, die ist den Schwestern wohl bekannt, und sie können sie mühelos außer Kraft setzen.

der Hexer Abasc - so heißt der Wolfsdämon - spielt auf Erden eben mit zwei närrischen Teufelsanbetern, da erreicht ihn der Ruf von Lucifuge Rofocale, des Ministerpräsidenten der Hölle, dem er folgen muss, die beiden Menschlein zerfleischt er schnell noch vorher. der Höllenfürst beauftragt Abasc, den Dimensionsriss endlich zu schließen, auch wenn er selbst dran glauben müsse. Abasc kann nur gehorchen, und setzt auf Sandrine, seine Kreatur.

Zamorras erwachen eingesperrt, das Amulett ist nutzlos, Dhyarras & Laser werden von in der Nähe befindlichen Schlangenschwestern blockiert, den Einsatzkoffer haben ihnen die dämonischen Schwestern unvorsichtigerweise gelassen. Andrew hat einen schwarzmagischen Zauber auf Lager, es gelingt den Freunden tatsächlich, eine der Schwestern festzusetzen. daraufhin kommt es zum Kampf mit der achtköpfigen Brut, unsere Freunde können drei vernichten und fliehen.

je länger Sandrine als Schlange mit ihrer neuen Schwester unterwegs ist, umso mehr Wissen sickert in sie ein. so erfährt sie, dass es die Schwestern waren, die den Riss erst geschaffen haben, um neue Intelligenzwesen herbei zu locken, von denen es in Samila, das sie nicht verlassen können, keine (mehr) hat. die beiden treffen auf die Geflüchteten, und als die Schwester die Gruppe angreifen will, gewinnt Menschsandrine kurz über Schlangensandrine die Oberhand und beißt die eigene Schwester mit ihren Giftzähnen. Schlange und Schwester vergehen, der Mensch Sandrine schält sich langsam wieder ins Leben zurück. danach berichtet sie von der Höhle, in der die Gebeine der vielen anderen Schlangenschwestern liegen, und darauf warten, von einem neuen Hüter alias Schlangenkreatur wieder ins Leben geholt zu werden. unsere Gefährten vernichten alle Überreste, dabei kommt es auch zum Endkampf mit den verbleibenden fünf lebenden Schwestern, die auch sämtlich ausgelöscht werden.

man sucht und findet endlich den Dimensionsriss, und Zamorra verfällt in Trance. der Riss öffnet einen Übergang in die Hölle der Unsterblichen, und der Professor empfindet kurz all jene Leiden, welche die Unsterblichen, die gemordet haben, dort erwarten. da taucht plötzlich Abasc auf, nach kurzem, heftigem Kampf, in dem Andrew und Diana schwer verletzt werden, gelingt es Zamorra, den Dämon mit seinem Zauberkristall in den Riss zu stoßen und diesen so zu versiegeln. übrig bleibt von der ganzen Aufregung letztlich eine Botschaft von Gerret - er ist in der Hölle der Unsterblichen gefangen und fleht seinen alten Feind Zamorra an, diese Hölle oder wenigstens ihn endgültig zu vernichten...

👻 mein Senf 🧂

von Anfang weg packt mich der Autor und reißt mich in die Geschichte. auch bei Perry Rhodan gliedert Herr Montillon seine Geschichten gerne in Kapitel, hier in dieser Geschichte setzt er zur Strukturierung zwölf Überschriften ein: "10 Tage vorher", "9 Tage vorher" etc., bis "Wenige Stunden davor" und "Jetzt". damit stellt er natürlich eine Dramatik her, die Handlung spitzt sich unweigerlich auf das Ende hin zu.

listig spielt der Autor auf die Nummer des aktuellen Romanheftes an:
Zamorra grinste. "Ansonsten weißt du so gut wie ich, dass es Zeiten gibt, in denen unser Privatleben zurückstehen muss."
"Davon können wir beide allerdings ein Lied singen."
"Eine Ode mit etwa 815 Strophen", meinte Zamorra.


Fehler: Zamorra denkt, dass ihn Merlin ausdrücklich vor einer tödlichen Gefahr in der Dimension Samila gewarnt hätte - dabei war es ja Andrew und nicht Zammy, der von Merlin gebrieft wurde. wurst.

besonders gut gefällt mir die Episode mit dem Dämon Abasc, der als menschlicher Hexer auftritt, und zuerst Teufelsjünger zerlegt, und später die Polizisten abmurkst, die die Leichen der Dämonenanbeter gefunden haben. der Autor beschreibt das jeweilige Gemetzel nicht im Detail, sondern deutet nur an, in einer fast sachlichen Sprache, und das lässt bei mir im Kopf umso schrecklichere Bilder entstehen:
"Da Lucifuge rief, musste Abasc sich beeilen. Das Blutbad dauerte daher nur wenige Sekunden, und der Dämon empfand nur geringe Freude daran."
"Zwei Polizeibeamte untersuchten den Tatort. Sie waren gut genug, Abascs Zorn ein wenig zu besänftigen, denn sie setzten sich wenigstens zur Wehr. So gestaltete sich das Töten durchaus befriedigend."

die Konstruktion mit den Schlangenschwestern hat, nunja, Lücken. wer hätte denn all die toten Schwestern gemetzelt, deren Überreste in der Höhle verschimmeln, wo die doch relativ unsterblich waren, und es keine anderen Intelligenzwesen in Samila gab?

sehr schön die Schilderung, wie Zamorra die Hölle der Unsterblichen erlebt (siehe Einleitung am Anfang des Artikels).

alles in allem ein gelungener Roman.

👻 Robert Lamont's Geisterstunde 👻

die Leserkontaktseite ist diesmal ein nachgerade historisches Dokument, denn Werner Kurt Giesa berichtet vom 25. Marburg Con, inkl. Fotos in gar nicht so schlechter Qualität. Stephan Gewalt, Zauberspiegel-Kolumnist und vormaliger Hörspielexperte, -blogger und -sprecher (Gordon Black, Team Undercover), war damals auch dabei, guckst du https://www.zauberspiegel-online.de/ind ... g-con-2005. WKG zeigt sich auch beeindruckt von Peter Lancesters Lesung. dieser Autor (im echten Leben Dr. Peter J. Dobrovka) gründete 2003 den Eldur-Verlag für seine eigene Serie "Chronik der Anderwelten", der Verlag wurde später auch für seine harte Horror-Anthologie-Serie "Fleisch" bekannt.

👻 neues Layout 👻

und das ist der zweite Grund, warum dieses Heft historisch ist - die Titelbildgestaltung wurde geändert. Layoutänderungen gab es bislang ja einige:

02.07.1974 Band 1 Das Schloß der Dämonen - ursprüngliche Gestaltung
19.04.1994 Band 519 Schatten des Grauen - der rote Schatten ist weg    
22.08.2005 Band 815 Die Schlangenschwester - neuer Header
25.09.2012 Band 1000 Luzifers Plan - neuer Header, Seite nicht mehr gerahmt
11.06.2019 Band 1175 Geh zum Teufel, Zamorra!
13.01.2024 Band 1295 Der Schattenwanderer

vom Untertitel "Der Meister des Übersinnlichen" verabschiedete sich der Verlag nach 45 Jahren, ab Heft 1175 wurde Zamorra zu "Die Langlebigste Horrorserie der Welt", und nochmal fünf Jahre drauf heißt es seit Band 1295 stolz "Bester Horror seit 50 Jahren". Ich hätte ja eher Fantasy statt Horror gewählt.
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