der Inhalt (Spoiler!)
im Vorwort schwadroniert Merlin im Gespräch mit dem Erbfolger Llewellyn von einer zweiten Tafelrunde, er hatte dafür schon einen Anführer im Blick, doch der entpuppte sich lediglich als Auserwählter, also einer jener Menschen, die der Erbfolger zur Quelle des Lebens zu führen hat, wo sie nach Bestehen einer Prüfung vom Wasser dieser Quelle trinken können und dadurch relativ unsterblich werden. die Rede ist von unserem Arthur. doch der Erbfolger hat ein Problem - diesmal gibt es mehr als einen Auserwählten!
Markgrafschaft Meißen, 1220. Arthur befreit ein Dorf von einem Dämon und wird dabei verletzt. im Wundfieber träumt er sich 100 Jahre zurück nach Schwaben, wo 1120 sein Leben als Dämonenjäger anfängt. in seinem Haus techtelmechtelt er damals mit Mechthild, der eben erwachsen gewordenen Tochter eines Gastwirten, im Keller findet er statt frischem Wein für das Gelage jedoch nur den übel verstümmelten Kadaver seines Dieners Konrad. die Wirtstochter erzählt Arthur, in der Schenke ihres Vaters Männer ebenfalls von solch einem Fund reden gehört zu haben. gemeinsam mit diesen beiden will Arthur nun die Leiche aus seinem Keller schaffen, doch die ist bereits als Untoter unterwegs auf der Suche nach Opfern. zu viert spüren sie den Zombie und seine Opfer auf, wenig später findet er seine beiden Gefährten in deren Schmiede tot auf. der Dämon, der sie angefressen hat, ist auch noch da. bereitwillig erzählt die Kreatur, dass sie vor einem Jäger namens Eckehardt geflohen sei. bevor es zum Kampf kommt, verschwindet der Dämon, und am selben Abend überrollt die zu Zombies mutierte eine Dorfhälfte die andere, bislang unverletzt gebliebene. Arthur führt sie an und zeigt ihnen, wie man die Untoten durch Kopfabschlagen endgültig vernichten kann. die wenigen überlebenden Einbewohner fackeln ihr Dorf ab, und mit ihm die Überreste der grausigen Brut. Arthur aber macht sich mit Mechthild auf die Sache nach dem geheimnisvollen Eckehardt.
zurück in der Gegenwart der Geschichte, also 1220, die Arthur nachgerade paradiesisch erscheint. nahe Dresden herrscht fast schon Wohlstand, was auch der Regentschaft des Markgrafen Dietrich zugeschrieben wird. der schwer verletzte Arthur wird von seinem Kumpel und vormaligen Mentor und Lehrmeister im Kampf gegen Dämonen, Eckehardt, wieder aufgepäppelt. auf dem Weg nach Hause trifft Arthur noch auf eine geheimnisvolle neue Mechthild, die ihn prompt als Dämonenjäger bezeichnet. Eckehardt und Arthur stellen fest, dass sie seit einiger Zeit wieder altern - obschon sie schon weit über hundert Jahre lang als nicht mal Dreißigjährige herumlaufen. Arthur fällt fast einem Hausbrand zum Opfer, nach langer Rekonvaleszenz - Eckehardt hat ihn eben noch rechtzeitig gerettet - machen sie sich auf die Suche nach Mechthild, und finden sie unter ihrem echten Namen Gertrud. sie versucht, den beiden vorsichtig von Merlin zu erzählen, ohne ihn zu nennen oder sein Wesen als Großmagier zu erwähnen, und dass eine Bestimmung auf sie wartet. unsere beiden jung gebliebenen Alten schenken ihr aber keinen Glauben. kurz darauf wird Eckehardt von einem echsenhaften Dämon im Geist heimgesucht, und kündigt ihm Arthurs Tod an. wenig später greift der Dämon dann tatsächlich Arthur an, im Beisein von Gertrud, die überraschenderweise wirksame Waffen zur Hand hat - Gemmen! die Bestie wird in die Flucht geschlagen, doch verfolgt sie Eckehardt weiter in Gedanken. Arthur erzählt endlich Gertrud seine Geschichte...
...wie er und eine Handvoll Menschen, darunter Mechthild, aus dem Dorf entkam. doch auch ein Dutzend lebender Leichen ist dem Inferno entkommen, und hat nach langer Wanderschaft, getrieben von Hunger, Straßburg erreicht. dort treffen Arthur und Mechthild auf den Dämon, dem Ursprung der Seuche, und es gelingt ihnen, den Unhold zu enthaupten und so zu vernichten - wodurch auch alle seine Kreaturen wieder zu normalen Toten werden. danach zieht unser Paar monatelang durchs heil'ge röm'sche Reich deutscher Nation und landet in Prag, wo bereits ein Chlu-Echlin (
https://www.youtube.com/watch?v=9vA9stQSw-4) oder so auf sie wartet. und der ihnen letztlich den Weg zu Eckehardt zeigt, denn immerhin sind Arthur und Eckehardt auserwählt...
zurück in 1220! unsere beiden Auserwählten treffen erneut auf Sarras ap Llewellyn, besser gesagt auf dessen aktuell 15ährige Reinkarnation Rheged. in einer Kirche erklärt der Erbfolger den beiden: there can be only one! und jetzt bricht sich der böse Geist Bahn in Eckehardt. der Dämon foltert ihn seit der ersten Begegnung nahe Dresdens in Gedanken, er hat von ihm Besitz ergriffen, und jetzt manifestiert er sich und greift Arthur an. der Erbfolger kann das Schlimmste verhindern, den Dämon erst bannen und dann vernichten - mit Hilfe von Merlins Machtsprüchen.
danach ist das Misstrauen gesät. beide Gefährten wollen jetzt zugunsten des jeweils andern auf die Quelle des Lebens verzichten, Eckehardt aus Reue für seinen Verrat, Arthur weil er den Freund für besser geeignet hält. doch sie machen die Rechnung ohne Llewellyn, der noch eine Bewährung auf Lager hat - am Hofe des Markgrafen hat sich ein Dämon eingenistet, den es zu vernichten gilt, das sollen die Gefährten gemeinsam erledigen. es zeigt sich schnell, dass es zwei Dämonen sind, mit denen unsere Helden aber fertig werden. dabei spielen wieder Gemmen eine wichtige Rolle, Schmucksteine mit magischer Wirkung, die Merlin erschaffen hat, und die sich im Kampf gegen die Höllischen erwärmen.
schießlich entscheiden Arthur und Eckehardt, doch gemeinsam zur Quelle zu gehen, und Llewellyn ist einverstanden. am Ort angekommen, führt er sie in eine Art Zwischendimension, wo sie in Gedanken von der Hüterin bereits zur Prüfung erwartet werden - der end-gültigen Prüfung, die nur einer der Freunde bestehen kann, und wird...
mein Senf
ein sehr gut gelungener Roman! langsam führt der Autor Arthur zu seiner Bestimmung, wir begleiten ihn dabei und lernen die Abläufe rund um die Quelle des Lebens kennen. wir haben fast zwei Drittel er Geschichte und einige wichtige Stationen durch, als uns Montillon den ersten, großartigen Höhepunkt serviert: Verrat! danach folgt eine Krise, und obwohl ich natürlich weiß, dass Arthur schon im nächsten Zweiteiler (!) die Hauptrolle spielen wird, finde ich die folgenden Geschehnisse ebenfalls sehr spannend. wie wird dem Autor die Auflösung des Dilemmas gelingen? wie im klassischen Fünfakter auf dem Theater kommt jetzt das retardierende Moment. unsere Freunde müssen nochmal gemeinsam eine Bewährung bestehen, was ihnen gelingt. zu guter Letzt nochmal ein Twist, 40 Seiten vor Schluss. wie wird das enden? Montillon versteht es, mich zu fesseln, bis zuletzt, bis wir an der Quelle angelangt sind, und es zum finalen Showdown kommt.
Höchstnote? ja, Höchstnote! 6 von 6 möglichen Punkten.
Montillon hat in diesem Taschenbuch Zeit und nimmt sie sich auch, um den Werdegang von Arthur alias Andrew auszuleuchten. er wird uns als "grader Michel" vorgestellt, angesehen, freundlich und sympathisch, und er steht offenbar kurz vor einer ernsthaften Liebschaft und damit Ehe, wir sind ja im Mittelalter. er muss miterleben, wie seine Liebe Mechthild älter wird und letztlich stirbt, er selbst unerklärlicherweise aber jung und stark bleibt. und nein, ich denke nicht, dass der Autor hier Inspiration beim Film Highlander suchen musste. zu Beginn versucht Arthur noch, mit dem Untoten, zu dem sein ehemaliger Diener gemacht worden ist, zu räsonieren. Spoiler: das schlägt fehl, er muss Konrad den Kopf abschlagen, erst dann ist Ruhe. dann die Erkenntnis, dass er auserwählt ist, für alle Zeiten gegen die Höllischen zu kämpfen, wo immer sie auftreten. und schließlich den Verrat seines engsten Freundes. alles Erfahrungen, um die er nie gebeten hatte. und die ihn prägen.
der Roman beginnt mit einem Zitat aus dem Herrn der Ringe, wenn sich Baumbart der Ent von den Elben Celeborn und Galadriel verabschiedet: "es ist traurig, dass wir uns nur so am Ende treffen sollen. denn die Welt verändert sich: ich spüre es im Wasser, ich spüre es in der Erde, und ich rieche es in der Luft. ich glaube nicht, dass wir uns wiedersehen werden." in seinem Film aus 2001 - vier Jahre vor unserem Roman - lässt Peter Jackson diesen Text abgeändert von Galadriel sprechen. und diese Filmfassung verwendet Herr Montillon für den Erbfolger, der damit das Gespräch mit dem Magier Merlin eröffnet.
der Autor stellt den Kapiteln Zitate voran, dem Prolog eines von Wilhelm Karl "William" Voltz, von 1962 bis 1984 prägender Stammautor bei und Weiterentwickler der Sci-Fi-Serie PERRY RHODAN, den anderen Kapiteln jeweils ein Zitat aus einem MACABROS-Roman, verfasst von Jürgen "Dan Shocker" Grasmück. im Jänner 2005 erschien Montillons Debutroman im Perryversum (ATLAN Band 19 "Der Zorn des Erzherzogs"), zwei Monate vor der Fertigstellung des "Wegs zur Quelle". und ab 2008 war Montillon im Schriftstellerteam, das die Serie MACABROS mit neuen Taschenbüchern, ebenfalls im Zaubermond-Verlag, fortsetzte. die Zitate lese ich als Verneigung vor diesen beiden Größen des Heftromans.
der erste Dämon, den Arthur zu bekämpfen hat, tritt in menschlicher Gestalt auf, doch verwandelt er sich im Kampf zu einem grünlich schimmernden Schleimmonster. das in Kombination mit dem Anknabbern von Menschen lässt mich auf ein ghoulartiges Wesen schließen, obwohl es so nie genannt wird.
Florian Hilleberg bezeichnet den Hintergrund dieses historischen Romans als "hervorragend recherchiert". ich bin kein Fachexperte, aber so könnte ich mir das Mittelalter auch vorstellen, ja. dass ein Wirt sich allerdings zu dieser Zeit denkt, der Rubel müsse rollen (
https://www.gedichte-lyrik-poesie.de/Pl ... uf_Reisen/), scheint mir unwahrscheinlich. aber ich will hier nicht Korinthen kacken.
inwieweit Werner Kurt Giesa bibelfest war, und für seine "Quelle des Lebens" das Johannesevangelium (
https://www.bibleserver.com/de/verse/Johannes4,14) vor Augen hatte, kann ich natürlich nicht wissen.
nebenbei erfahren wir, dass Merlin bereits an der Herstellung einer mächtigen Waffe gegen das Böse arbeitet. vorerst sind das Gemmen, Edelsteine mit Wirkmacht gegen Dämonen. zum Amulett ist es da noch ein weiter Weg...
auch sprachlich war der Roman wieder großartig. Montillon findet Worte und Beschreibungen, die berühren. er sieht Mechthild verkitscht mit den Augen des verliebten Arthur - da wogen Brüste im eng geschnürten Mieder, fallen Haare weit über anmutige Schultern, und leuchten Augen klar wie Bergseen. er schildert einfühlsam im besten Wortsinne das neue, nun ja, Seelenleben des eben mutierten Zombies, der jetzt nach Menschenfleisch giert:
Seitdem das Etwas, das früher ein Ich war, in dem dunklen Raum erst auf die Knie und dann auf die Füße gekommen ist, hat es Hunger. [...] Ein Schrei ertönt, und er will gar nicht mehr enden. Vor Entsetzen geweitete Augen starren das Etwas an. Ein Mensch. Eine Frau. Das ist es, erkennt das Etwas. Das ist es. Es hastet voran, auf die panische Frau zu, die eine ihrer Hände an die Brust hebt, während sie weiterhin schreit. Sie schreit nicht mehr lange. Der Hunger verschwindet völlig. Vorerst.
ein Interview mit dem Titelbildkünstler Werner "Sandobal" Öckl gibt es derzeit noch auf Phantastik-News
http://www.phantastik-news.de/modules.p ... e&sid=1501; "derzeit noch" deshalb, weil da leider kein Jahr dabeisteht, und der Artikel dort mit einer Schlagwortsuche gar nicht auffindbar ist. auch auf dem Midgard-Rollenspiel-Wiki (
https://www.midgard-wiki.de/index.php/Werner_%C3%96ckl) gibt es eine Schau mit Werken von ihm. vieles ist gut, ja schön gezeichnet, wenig aber trifft meinen persönlichen Geschmack.