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Werkstattbericht Gespenster-Krimi 199 "Hexenkreis Berlin"

Verfasst: Sa Mai 23, 2026 1:34 pm
von Anton Serkalow
Im Frühjahr 2025 nahm ich Kontakt mit Peter Thannisch vom Bastei-Verlag auf. Er war damals der zuständige Lektor für die Reihe „Gespensterkrimi“, und ich hatte ein paar Geschichten in der Hinterhand, die als Hörspiel nicht umgesetzt worden waren und es vermutlich auch nie in dieser Form schaffen würden. Mein Ziel ist immer, eine Geschichte so zu schreiben, dass sie in das Medium passt, in dem sie erzählt wird. Darum verwende ich zum Beispiel keine „Offstimme“ im Hörspiel, die den Hörerinnen irgendwie erklärt, was sie gerade „sehen sollen“.

Ich bin zum Beispiel auch der Meinung, dass meine konzentrierte Arbeit an Hörspielskripten auf Dauer eher zu Ungunsten meines Prosastils geht. Einfach deshalb, weil dort andere Möglichkeiten des „Show, don’t tell“ gelten. Im Hörspielskript genügt die Regieanweisung: „Person XY ist müde.“ Der oder die Regisseur:in macht bei den Aufnahmen dann den Rest. In einem Roman oder einer Short Story wäre der Satz „Person XY ist müde“ dagegen eine bloße Behauptung, also das genaue Gegenteil von „Show, don’t tell“. Dort würde ich eher zu Formulierungen greifen wie: „Person XY reibt sich mit Daumen und Zeigefinger die Augen, blinzelt und versucht, den Blick wieder klarzubekommen.“ Und genau solche Dinge müssen einfach immer wieder geübt werden. Deshalb wollte ich neben den Hörspielskripten ab und zu auch ein paar Heftromane schreiben.

Peter antwortete mir damals, dass er mit meinen Pitches nichts anfangen könne, weil er „moderne, spannende, hochdramatische Stoffe, die eine breite Leser*innenschaft ansprechen“ suche. Noch konkreter meinte er, dass „heute wieder die Verbindung von klassischen Horrorgestalten und moderner Action gefragt“ sei. Verbunden war das mit der Frage, ob ich so etwas hinbekomme.

Natürlich habe ich damals, große Fresse, wie ich nun mal habe, gesagt: Klar, kriege ich hin.

Bevor ich mich dieser Aufgabe widmete, stieß ich allerdings noch einmal auf mein Exposé zu „Außerhalb der Saison“, das dann als „Wellen, die vom Tode flüstern“ bei Bastei erschien. Ein entsprechendes Making-of dazu findet Ihr unter anderem auf hier im Forum und auf meiner Facebook-Seite.

Nachdem die Arbeit an „Wellen, die vom Tode flüstern“ abgeschlossen war, schickte ich Peter ungefähr zwanzig weitere Pitches, die meiner Meinung nach seiner Vorgabe entsprachen. Zwei davon waren meine persönlichen Favoriten. Bei einem meinte ich nur, dass wir da sicher noch am Titel arbeiten müssten. Das sei nur ein Arbeitstitel und eigentlich viel zu plakativ.

Worauf Peter antwortete: „Wieso? Hexenkreis Berlin verkauft sich doch allein schon wegen des Titels.“

Also machte ich aus dem Pitch ein Exposé, das Peter mit kaum einer Erweiterung freigab. Ich sollte lediglich neben den „übernatürlichen“ Hauptfiguren noch mindestens eine menschliche Figur entwickeln, damit die Leser:innen eine zusätzliche Identifikationsfigur haben. Gesagt, getan.

Doch gehen wir noch einmal einen Schritt in der Zeit zurück.
Was brachte mich überhaupt auf die Idee zu dieser Story?

In einem Gespräch mit Peter fiel damals unter anderem der Satz, dass sich die ganzen „Geister- und Dämonenjäger rein wirtschaftlich betrachtet gegenseitig kannibalisieren“. Darüber dachte ich eine ganze Weile nach. Ich verstand, was gemeint war: John Sinclair, Professor Zamorra, Dorian Hunter, die Drudenfüße, Isaac Finley, Musgrave … und alle bei einem Verlag.

In diesem Nachdenken kristallisierte sich nach und nach ein Satz in meinem Kopf heraus:

„Wir brauchen keinen weiteren Dämonenjäger mehr … es sei denn, er oder sie …“

Spoiler-Alarm. Wenn ich diesen Satz jetzt zu Ende formulieren würde, hätten all jene keinen Spaß mehr, die „Hexenkreis Berlin“ noch nicht gelesen haben.

Aus dieser Grundidee entwickelte sich die Geschichte, die nun als Gespensterkrimi 199 erschient, beinahe wie von selbst. Wie immer bei mir war es gar keine Frage, dass die Handlung in Deutschland und in der Gegenwart spielen musste. Und Berlin? Na ja. Es ist meine Geburtsstadt. Ich bin dort aufgewachsen, habe dort meine Jugend verbracht und noch immer genügend Kontakte dorthin, um eine Geschichte glaubwürdig in diesem „Hexenkessel“ anzusiedeln. Auch wenn sich seit meinem Weggang vor fünfundzwanzig Jahren natürlich sehr viel verändert hat.

„Hexenkreis Berlin“ ist eine komplett andere Geschichte als „Wellen, die vom Tode flüstern“. Nicht nur in dem, was erzählt wird, sondern auch in dem, wie ich es erzähle. Sie ist moderner, härter und stärker am filmischen, seriellen Erzählen orientiert. Vor allem aber will sie etwas anderes sein: kein leiser, schleichender Gruselstoff, sondern ein Heftroman mit Wucht, Tempo und Lust an der Eskalation.

Ich würde sogar so weit gehen, „Hexenkreis Berlin“ als Trash zu bezeichnen – allerdings im besten denkbaren Sinn. Als Pulp. Als Weird Fiction. Als eine Geschichte, die nicht geschniegelt daherkommen will, sondern direkt, wild und unterhaltsam. Mir hat das Schreiben daran ungeheuer viel Spaß gemacht. Wenn dieser Spaß beim Lesen spürbar wird, dann hat der Roman für mich genau das erreicht, was er erreichen sollte.