Neustart … hmmm ...
Was war denn nicht toll, weshalb ein Neustart erforderlich ist?
Zu viele Handlungsstränge, die auf Grund der Autorenzahl nicht zeitnah genug weitergingen?
Schlechte oder zu unterschiedliche Geschichten?
Keine zeitgemäßen Figuren?
Zahlen im Keller?
Ist Sinclair abgestürzt, weil veraltet?
Sind mittlerweile doch zu viele Fans weggelaufen und zu wenig (langfristige) Neuleser nachgekommen?
Ich hab mal platt gegoogelt, was Neustart "offiziell" heißen KANN:
Ein "Neustart" im literarischen Sinn bezeichnet den bewussten Bruch mit bestehenden Erzählstrukturen, Charakterentwicklungen oder einer etablierten Kontinuität (Canon), um eine Geschichte, ein Werk oder eine Reihe grundlegend neu zu positionieren. Es handelt sich um ein "Zurücksetzen" (Reboot), das alte Handlungsstränge ignoriert und Charaktere oft in neuer Form oder mit neuer Entstehungsgeschichte (Origin Story) einführt.
Beispiele mit/durch:
Neupositionierung: Ein Neustart erlaubt es, den Tonfall (z. B. moderner), die Charaktere oder das Setting anzupassen, um eine stagnierende Marke oder ein Genre zu revitalisieren.
Reboot: Verändert die Geschichte und die Charaktere oft grundlegend.
Oder:
Ein Verlag ändert das bisherige künstlerische Image, die Art der Geschichten oder die Vermarktung der Serie bewusst, um eine andere Leserschaft anzusprechen.
Oder auch:
Mut zur Veränderung, oft verbunden mit dem Risiko, alte Fans zu verlieren, aber mit der Chance, ein völlig neues Kapitel aufzuschlagen.
Tja, was fängt man jetzt damit an?
Das hier wären meine Gedanken dazu:
Variante 1 - Long Story -
Ich lese dauernd irgendwo, dass es frischer, moderner und vor allem für Neueinsteiger einfacher gestaltet werden soll.
Aha, ist ja schön. Und langjährige Fans, die die Serie erst groß gemacht und auch Neuerungen akzeptiert haben, nur eben nicht die ganz dollen Veränderungen?
Egal, die fallen halt in den sogenannten "Risikobereich". Wenn sies nicht mögen, können sie ja gehen. So einfach ist das. Friss oder stirb. Egal, wie sehr sie das alles mochten, unterstützt oder sogar geliebt haben.
Und dann ist noch die Frage, ab WANN?
Von wo aus Neustart? Von Band 500? 1500?
Von Anfang an?
Hauptsächlich Neulesern - der neuen Zielgruppe - den Einstieg zu erleichtern, zusammen mit dem bedeutsamen Wort
Neustart, ergibt sich für mich nur eine logische Maßnahme (s.o.):
Außer John bleibt niemand übrig, denn mit ihm fings an, die Serie heißt wegen ihm so und er könnte nach und nach neue Leute dazu kriegen. Bedeutet aber doch auch, dass John ebenfalls verjüngt werden müsste … wer will schon so’n alten Sack lesen?

Oder er tritt ein paar Roman später glorreich ab, bzw. wird Mentor für die verjüngte Truppe, der Header auf den Romanen ändert sich, der Name Jason Dark fällt komplett weg.
Und einigen Nachwuchs für diverse Posten gibt’s ja schon:
Marisa als Psychologin beim Yard … ihre Emma könnte dann z.B. Glendas Job übernehmen und die neue Sekretärin/Assistentin für Young Adult - John spielen.
Davina McCarthy hat bereits Father Ignatius den Rang abgelaufen, Christina Dick könnte Sir James ersetzen, da sie ja bereits voll drin ist in der Materie und zur Frauenpower-Strategie passen würde. Schließlich hat der magenkranke Pavian auch seine besten Zeiten hinter sich.
Aber da eröffnet sich dann ein Problem: es wurden ordentlich Frauen und Mädels reingebracht, was ist mit Jungs oder Männern? Irgendwie dürftig …
Bestes oder jüngstes Beispiel: der einzige neue und junge Knaben in der Riege wurde mit der Raunacht-Saga abgemurxt.
Oder John kriegt jetzt noch mehr Frauenpower an die Seite, weil …
… verlässlicher Kollege … ach was, lieber welche, die regelmäßig abtreten und dafür dann neue eingebracht werden können! Und wieso überhaupt Kerle als Sidekick? Wieso keine Sidekickin?
… Privatdetektivin und Freundin … neeee, wie langweilig und altbacken! Lieber ne Influencerin oder Youtuberin, die durch ihr loses Mundwerk und jede Menge Kraftausdrücke regelmäßig den richtigen Leuten auf die Füße tritt und so in Fälle schlittert!
Bester Freund … Familie … um Gottes Willen … ist doch total out! Wo gibt’s denn noch intakte, funktionierende Familien? Lieber gemischte WGs, Jugendheime oder irgendwas dazwischen, wo man schön was in jede Richtung draus machen kann! Da identifizieren sich ganz bestimmt viel mehr Leser mit und irgendjemand kann sicher immer das, was man gerade so braucht … oder hat den Hintergrund, aus dem man gut was machen kann!
Naja, alles ist möglich.
Dann wurde jüngst angekündigt, dass IRH seine und viele andere Handlungsstränge beendet. Ist ja toll, dass er das macht. Und ja, er kann schreiben … was im Grunde wohl auch niemand bezweifelt. Ist nur die Frage, wie man solch eine schöne Gabe einsetzt.
Und außerdem:
Warum beendet ER die Handlungsstränge anderer Autoren? Verschiedene Autoren mit verschiedenen Schreibstilen, Ideen und Ausdrucksweisen. DAS fand ich immer cool! DAS war doch die "Frischekur" für Sinclair vor ca. 12/13 Jahren. Warum beenden die nicht selbst ihre Stränge? Dürfen sie nicht? Wollen sie nicht? Keine Zeit? Haben sie ihre Stränge nicht zu Ende gedacht? Sind sie schon rausgeflogen, weil nur noch max. 2-3 Leute für Sinclair schreiben sollen, wenn überhaupt?
Mögliche Autoren:
Ian Rolf Hill für den totalen Überblick, Serienwissen und als Showrunner (wurde zumindest in den letzten drei Jahren energisch so aufgebaut)
Rafael Marques für den sehr beliebten Schreibstil, Aibon, Templer, Lost Places (wobei dann mehr Output kommen müsste, wenn IRH nicht nen extremen Vorlauf hat)
Marie Erikson für die neue, jüngere Generation der Leserschaft (wobei sie neben dem Brotjob auch viel Perry Rhodan und eigene Werke macht, was dann evtl. zeitlich knapp werden könnte)
Wie dem auch sei, wenns aus den entsprechenden Reihen keiner sagt, wird man das Warum und Wieso und WER denn nun? eh nicht erfahren.
Jedenfalls könnte John sich so halt ein neues, jüngeres Team bilden, bis er irgendwann nur noch als Mentor fungiert.
Einziges Manko:
Dann wäre es gar nicht mehr die Serie, die man vielleicht mal irgendwann kannte und mochte.
Naja, zumindest die, die sie schon länger lesen.
Aber wenn eh der Fokus auf Neueinsteiger liegt, was solls?
Für mich sind halt gerade die Figuren wichtig, für andere nicht. Und für Neuleser wohl überhaupt nicht, weil sie die alten gar nicht kennen. Wen juckts da schon groß, wenn man die alten Figuren rausschreibt und mit jüngeren, pfiffigeren, frecheren Figuren ersetzt, um für frischen Wind zu sorgen?
Und die könnte man dann immer in unregelmäßigen Abständen über die Klinge springen lassen.
Das sorgt schön für den nötigen Kick, hin und wieder für Schockmomente und ne ordentliche Portion Drama, wie es viele fordern oder scheinbar von Neueinsteigern erwartet wird.
Vielleicht gibt’s dann auch ein "Rebranding", was eh versehentlich mal für nen kurzen Moment gelauncht wurde, dann aber schnell wieder verschwand. Screenshot sei Dank wurde es zum Mahnmal des Bösen. Aber war vielleicht auch nur ein Probe-Design, wies mal aussehen
könnte, muss ja gar nix heißen … nur WANN das versehentlich passiert ist, war interessant, da war von "Neustart" oder "JD wird aufgehört" noch weit und breit nix zu lesen …
Vielleicht verschwindet Jason Dark auch ganz vom Cover? Ihn drauf zu lassen wäre ja blöd, wenn er nicht mehr schreibt und nach nem Neustart isses nicht mehr SEINE Serie, sondern eine Serie ANGELEHNT an seine erdachte Serie … und wenn mans trotzdem lässt, wäre es glatt fake, weil er Sinclair ja mit anderen Intentionen und Zielen auf den Markt geworfen hat … die aber natürlich über 50 Jahre später total veraltet und für Neuleser mega ungeeignet sind.
Lieber für den Schockmoment zwischen Tür und Angel mal nen Kollegen oder Freund beseitigen, weil dann bleibts innovativ und man kann gleich wieder ne zeitgemäße neue Figur reinschmeißen. Ist doch toll! So schnell, wie die Zeiten sich heutzutage ändern, ist das sicher erforderlich, um en vogue zu bleiben!
Damit würde man die Komfortzone der bisherigen Leserschaft verlassen, könnte Wachstum generieren, relevanter werden oder schlicht ein breiteres/anderes Publikum finden.
Genau DAS scheint doch gewollt zu sein.
Das Einzige, was ich dabei nicht so ganz kapiere:
Wie viel neuer als jetzt soll dieser Neustart denn werden?
Dadurch, dass IRH ja schon so einiges "neu interpretiert" und vor allem mit ordentlich viel Epik, Drama und Action aufgemotzt hat, fühlte es sich doch jetzt schon anders an. Anfangs, als noch kleinere Brötchen nach neuen Rezepten gebacken wurden, wars völlig ok. Es war dosiert, man bekam neue Figuren, die ergänzten, ein bisschen mehr Action und verzwicktere Fälle, Ideen und Handlungen. Fand ich persönlich – weil ich mich bis zu einem gewissen Punkt für ziemlich kompromissbereit und tolerant halte – ziemlich cool!
Dann fingen die neuen Figuren an, die alten zu ersetzen.
Dann wurde alles immer epischer, höher, schneller, weiter … nicht nur in Mehrteilern, auch während der normalen fortlaufenden Handlung.
John fuhr plötzlich weder Bentley noch Rover, sondern … Audi.
Immer weniger Wahrzeichen … wohl auch zu altbacken.
Kürzlich wurde Sukos BMW geschrottet, kriegt der jetzt nen Citroen? Nen Opel? Vielleicht auch nen Skoda?
Scheinbar sind doch aktuell schon sooo viele Neuleser dazugekommen und die Zahlen sind gar nicht sooo im Keller, wie JD in nem Interview mal behauptet hat …
Also nochmal, wie viel neuer soll es denn werden?
Geht doch gar nicht mehr … also cut, alles alte weg, nur John bleibt und dann mal Feuer frei für die jüngere Riege!
Mal sehen, wer oder was dabei auf der Strecke bleibt.
Variante 2 – Long Story Short -
Das Autorenteam schrumpft gewaltig, der Serien-Header wird geändert.
Alles Offene wird beendet und runtergefahren.
John findet seinen alten Character wieder … das Sinclair-Team kriegt neuen Fokus … keiner spricht mehr von knackenden Knochen und Ermüdungserscheinungen, da schließlich das Team inkl. John nur wenig zwischen den Zeilen altert … Gegner werden wieder mehr normale Gegner und keine allmächtigen Bösewichte mit ausgeklügelten Plänen und Schlachten, die immer noch einen Twist auf einen anderen drauf setzen … die neuen Figuren bleiben, machen aber nicht mehr auf Hauptfiguren, sondern tun wirklich das, was anfangs versprochen wurde, sie ergänzen mit unterschiedlichen Charakterzügen für den nötigen Frische-Touch.
Dort könnte sich sogar JD nochmal für den ein oder anderen Gastroman und/oder ein Abschiedswerk zurechtfinden.
Man wird ja noch träumen dürfen …
Alternativ könnte auch jeder, den es genauer interessiert, mal selbst über einen längeren Zeitraum hinweg aktiv Meinungen und Rezensionen in entsprechenden Foren und Social Media Kanälen (vor allem in entsprechenden Gruppen) verfolgen.
Mein Fazit aus knapp drei Jahren:
Die wenigsten "Neuleser" hielten knapp eineinhalb Jahre am Stück durch, danach war von ihnen in Sachen Sinclair nach anfänglichem "Boar geil, Action und Blut!" … "Total cool, episch!" … usw. usf. kaum bis gar nix mehr zu sehen und zu lesen. Natürlich gibt es auch noch ein paar Neuleser, die immer noch "Boar, geil, Action!" schreien, keine Frage. Aber die sind weniger geworden. Oder haben keinen Bock mehr, das in Worten auszudrücken.
Was auffällig war: hauptsächlich wurden Action, Spannung und Geschwindigkeit hervorgehoben, kaum oder selten Gruselatmosphäre, Figuren, Charakterzüge o.ä., die nachhaltig Eindruck hätten hinterlassen können. Allenfalls kam hier und da mal "XY ist cool drauf" … "XY nervt mich nur noch" … "XY ist ne sympathische Figur" … "das Haus hatte ne schöne unheimliche Atmo" …
So mancher "Altleser" hat leider bereits das Handtuch geworfen. Einige kaufen nur noch fürs Regal, ab 2500 ist dann Schluss. Nur wenige erhoffen sich eine Besserung ab Band 2500.
Sie legten vornehmlich Wert auf die Figuren auf beiden Seiten, ihre Charakterzüge und ihr Verhalten. Außerdem hoben sie oftmals die Gruselatmosphäre hervor, wo sie eben zu finden war.
Die "Allesleser", die einfach nur Geschichten lesen wollen und nicht speziell auf Sinclair oder ein bestimmtes Genre fixiert sind, gehen das alles etwas gelassener an und man liest und sieht immer mal wieder auch JS-Rezensionen von ihnen. Sie kommentieren in erster Linie, wie die Story samt Protas funktioniert und auf sie gewirkt hat.
Dann gibt es noch die Sorte Fans, die alle Neuerscheinungen (Romane/Hörspiele) mit "Super, hab ich schon gekauft!" … "Freu mich drauf!" … kommentieren, aber nie oder selten folgt eine Rezi oder Meinung von ihnen. Lesen/Hören sie überhaupt oder sammeln sie nur, ums irgendwann wieder zu verkloppen? Oder haben sie einfach nur keine Lust, ihre Meinung dazu in Worte zu fassen und anderen mitzuteilen?
Die liest man jedoch von vielen bekannten oder wiederkehrenden Namen, aber auch da hat sich schon einiges geändert. Sie sind zwar immer noch offen und voller Neugier, was künftige Romane angeht, aber sie sind zum Teil sowohl der überbordenden Epik als auch der erschlagenden Anzahl von teilnehmenden Figuren überdrüssig. Leider bekommen diese Leute, die ihren Autoren jedoch oder trotzdem treu geblieben sind, wegen vereinzelter negativer Kritiken das Totschlag-Argument um die Ohren gehauen "Keiner zwingt dich, es zu lesen." Meiner Meinung nach gewinnt und behält man so keine Fans. Aber scheinbar ist man darauf ja auch nicht angewiesen. Mit-Fans können ihre Fan-Kollegen aber genauso angehen, weil sie kritischer Meinung sind. Andersherum kriegen auch gute Meinungen oftmals nur aufs Auge gedrückt "du findest doch eh alles gut, was XY schreibt".
Von den Hörspielen fang ich mal lieber gar nicht groß an, denn in der Sparte sieht es noch übler aus (sind aber auch etwas weniger Leute, als bei den Romanen).
Daher das Fazit in Kürze: Angefangen vom Intro, über das Produktionsteam und die Covergestaltung bis hin zur (Aus)Wahl einzelner Sprecher und bestimmter Vorgehensweisen wird sehr viel moniert, dem man allerdings auch ziemlich schmerzfrei gegenübertritt.
Irgendwann wird das abebben, denke ich.
Wenn keine Gegenreaktionen kommen oder mal hier und da auf Frust eingegangen wird, sondern nur auf Lob und Zustimmung, wird es ermüdend, weiterhin in irgendeiner Form seine Meinung kundzutun. Dann werden auch diese Hörer komplett ausbleiben, weil sich niemand für sie und/oder ihre Meinung interessiert. Oder sie sammeln ebenfalls nur noch, bis auch da das Interesse gänzlich nachlässt.
Bei mir wird’s die 200, danach ist Feierabend … sollte sich nicht gewaltig was ändern, was ich derzeit aber nicht sehe.
Ich denke, ich hab mich schon länger innerlich von Sinclair-Feeling, Charme, Lese-Leidenschaft und gewissen Werten der Serie verabschiedet und gehe mit einer Mischung aus allen "Neustart-Interpretationen" ins Rennen:
Ein Verlag ändert das bisherige künstlerische Image, die Art der Geschichten oder die Vermarktung der Serie bewusst, um eine andere Leserschaft anzusprechen. Mut zur Veränderung, oft verbunden mit dem Risiko, alte Fans zu verlieren.
Neupositionierung: Ein Neustart erlaubt es, den Tonfall (z. B. moderner), die Charaktere oder das Setting anzupassen, um eine stagnierende Marke oder ein Genre zu revitalisieren.
Allerdings ist das auch wieder irgendwie nebensächlich, weil ich zu der Fraktion gehöre, die sich noch Band 2500 ins Regal stellt und dann entweder von vorne liest oder den Sack ganz zumacht.
Wahrscheinlich eher von vorne lesen … denn einmal Fan, immer Fan … aber eben vom echten John Sinclair samt Crew!

