Eddie Jones will verbotenerweise im Emerald Lake tauchen, der nahe Sayers Green liegt.
Es gibt drei Gerüchte, weswegen es verboten ist, hier herumzulungern oder gar in den See zu steigen:
- ein Mini-Loch-Ness-Monster
- eine Superwaffe in einem abgestürzten Flugzeug
- ein versunkener Schatz
Wegen der beschriebenen Mini-Größe des Sees von knapp zwei Fußballfeldern, las sich das ein wenig unglaubwürdig.
Jedenfalls glaubt Eddie an das letzte Gerücht, klingt ja auch am lukrativsten, und will jetzt nachsehen.
Die Sache mit der Wasserprüfung, die sich aufdrängte, hat sich dann ja erledigt, da dies kurz vorher bereits ein Bekannter von ihm durchgeführt hat. Und sogar der Raunacht-Winter findet hier nochmal kurz Erwähnung (Kälte, Wasser, Neopren, usw.).
Die Vorbereitungen für den Tauchgang waren bis ins Detail nett beschrieben … auch wenn mir das schon irgendwie ein wenig ZU viel war und sich las, wie aus einer Fachzeitschrift.
Ein oder zwei Sätze, dass er sich tauchfertig machte, hätten (mir!!) da auch vollkommen ausgereicht.
Im See wird ihm dann die Entdeckung einer angeketteten Wasserleiche zum Verhängnis …
Die kurze Beschreibung, wie es unter Wasser aussieht und wie es sich anfühlt und so, das fand ich dann wieder sehr schön ambientisch und bildhaft beschrieben.
Eine unbekannte Gestalt, die als Kreyaté tituliert wird, wacht des nachts von einer imaginär anmutenden Stimme auf. Kreyaté scheint sie zu kennen, wirkt aber doch eher ungläubig, sie nach so langer Zeit wieder zu hören.
Hier war es etwas anstrengend, wie oft in dem kurzen Absatz "die Gestalt" vorkam, obwohl man als Leser bereits wusste, dass der- oder diejenige Kreyaté heißt.
Jedenfalls kann Kreyaté den Rufer aus dem See beruhigen und quasi vorerst hinhalten.
Anschließend gibt’s erstmal ne halbe Seite Info darüber, was Stacy Albright alles anstellt, um nicht wegen des nervtötenden Handyklingelns aufstehen zu müssen, nur um dann doch ranzugehen.
Matt Dawson, der scheinbar stereotype "coole Typ" aus ihrem Parapsychologiekurs ist am anderen Ende. Rein zufällig ist er natürlich auch noch der Sohn des Polizeichefs von Sayers Green. Na, da ist die Infokette doch gerettet:
Ein Spaziergänger, vielmehr dessen Hund, hat die am Ufer des Sees treibende Leiche entdeckt.
Ah ja … dann hat der Spaziergänger also auch unbefugt das Gebiet betreten, denn Jones hatte ja vor dem Zaun geparkt, musste dessen Überreste erst übersteigen und dann noch einige Schritte latschen, bevor er am eigentlichen Ufer war und die Schwimmflossen anziehen konnte.
Dann wird’s ein bisschen unlogisch, nämlich als Matt fragt, ob sie die Bergung des darin ebenfalls gefundenen, angeketteten Toten sehen will …
Es wurde auf Grund der Verletzungen des toten Tauchers auf ein gefährliches Tier geschlossen. Trotzdem durchsuchten Polizei-Taucher das Gewässer. Ohne Absicherung durch Jäger oder dergleichen, falls dieses gefährliche Tier die Taucher angreift? Hmmm …
Eben noch hatte Matt erwähnt, dass Stacy an übernatürlichen Kram glauben würde … und jetzt kommt er ihr mit etwas, das sich mit dem Auffinden einer angeketteten Leiche an einem Stein während der Untersuchung eines anderen Todesfalls augenscheinlich auch um einen schon länger zurückliegenden, durchgeplanten Mord handeln könnte und noch überhaupt keine übernatürlichen Anzeichen aufweist?
Das Geturtel, was dann noch zwischen Matt und Stacy abläuft, hätte besser in einen RomCrime oder meinetwegen auch RomMystery gepasst. Aber gut, zugegeben, ich bin jetzt auch nicht diejenige, die innerhalb einer Gruselgeschichte versessen auf eine Lovestory ist. Von daher hat mich das Geschmachte schon ziemlich abgetörnt.
Dann geht das Spektakel am See los. Keine Absperrungen, keine Polizisten, die die Schaulustigen etwas auf Abstand halten. Gar nichts. Obwohl das immer noch ein Tatort ist, dürfen sämtliche Leute sogar bis ans Ufer ran und gaffen.
Am Ende erwacht der ex-angekettete Tote zum Leben, tötet und verletzt und als Krönung will Stacy sich ihm vorsätzlich waffenlos entgegenstellen. Ähm … okay? Und warum? Was hab ich jetzt überlesen?
Weil sie so gute Chancen hat, ihn zu vernichten? Was allerdings, wie sie selbst schon grandios feststellte, mit einer Beretta und Silberkugeln wesentlich besser klappen würde, die sie aber nicht hat.
Der Wasserzombie scheint dann gerufen zu werden, denn er haut plötzlich ab, nachdem er dem Doc die Kehle rausgerissen hat, und verschwindet im Wald … wo er auf Kreyaté trifft und mit Alcott angesprochen wird. Scheinbar plant "die Gestalt" schon die Rache für sie beide. Alcott soll sich bis dahin im See aufhalten.
Ist immer gut, wieder dorthin zu verschwinden, wo noch mittlerweile drei Verbrechen untersucht werden. Doch das scheint inzwischen nebensächlich, denn der See ruht wieder still und starr und völlig verlassen vor sich hin.
Dann Auftritt John. Aber anstatt sich mit Stacy über den Fall zu unterhalten, will er erstmal ihre Identität bequatschen. Es muss ja noch klar ausgesprochen werden, dass es sich hier um eine LADY geht … warum eigentlich? Ist das für ne Gruselgeschichte von Belang, ob da jemand adelig ist oder nicht, wenn das gar nicht in dem Metier spielt?
John echauffiert sich jedenfalls darüber, dass sie es ihm nicht erzählt hat.
Ok, das ist nicht John … seit wann interessiert ihn der Stand einer Person so sehr, bzw. mehr als der Fall und macht dann davon abhängig, wie er sich mit dieser Person unterhält?? Nee .. das ist nicht John ...
Und wenn Lady Stacy doch so unerkannt bleiben will, dann hätte sie sich lieber mal überlegen sollen, was sie John erzählt, wenn sie ihn nochmal wiedersehen sollte. Ich kapier’s nicht.
Genauso wenig wie die Tatsache, dass John sofort von "unsere Ermittlungen" spricht.
Nur weil Stacy ihn auf diesen Fall aufmerksam gemacht hat, ist für ihn sofort klar, dass sie ihn begleitet? Ach was … das sind ja ganz neue Töne. Wenn er sich jedes Mal sofort die Leute als Begleitung ranzieht, die ihn auf einen Fall aufmerksam machen, könnte man Suko und Bill und vielleicht auch noch Jane, ach … eigentlich alle anderen direkt rausschreiben.
Dazu wird die Dame auch noch andauernd rot, wie ein liebestoller Teenie … soll die nicht Studentin sein? In dem Alter könnte man doch eigentlich schon aus den gröbsten Pubertier-Abgründen raus sein …
Das war ziemlich nervig.
Des Autors Lieblingswort scheint zudem "sanft" zu sein

, so inflationär, wie das vorkam … und mMn genauso befremdlich in einem Gruselroman aufgehoben ist.
Alles fällt sanft ab oder steigt sanft an oder schaukelt sanft auf der Wasseroberfläche oder es wird mit sanfter Stimme gesprochen, sanft Haarsträhnen aus dem Gesicht gestrichen, sanft getäschelt …
Dann wird der Reverend befragt und als Matt da aufkreuzt und vom Tod eines weiteren Dorfbewohners berichtet, will John zum See. Da der Zombie dorthin gelaufen sein soll.
Wer will natürlich mit? Richtig … ihre Durchlaucht …
Anstatt einfach zu sagen, dass sie da als Zivilistin nix zu suchen hat, überlegt sich John auch noch ne andere Sache, die sie in der Zeit tun könnte und die eigentlich SEINE Aufgabe wäre: eine alte Dame und potenzielle Zeitzeugin aufzusuchen und auszuquetschen (da die bei den Ereignissen von damals, über die der Reverend berichtete, möglicherweise live dabei gewesen sein könnte …).
Man, was geht mir das Mädel mit ihren Errötungsanfällen und "ich will überall dabei sein" auf die Nüsse!
Die könnte sich gut mit einem gewissen Cleverhead zusammentun …
Natürlich findet John am See und in näherer Umgebung nichts. Erst als er sich auf den Rückweg macht, erwärmt sich sein Kreuz. Und wie durch ein Wunder befindet sich plötzlich ein Boot am Ufer des Sees, das vorher - während seines Besuchs mit Stacy - scheinbar noch nicht dort war. Und ein Paddel ist natürlich ebenfalls vorhanden, sehr praktisch.
All das, obwohl dort eigentlich schon seit Jahrzehnten Sperrgebiet ist und früher wohl auch mal gescheit eingezäunt war .. was das plötzliche Auftauchen des alten abgehalfterten Kahns noch unglaubwürdiger macht, der ja, weil schon so alt und marode, nicht erst seit gestern dort liegt.
John paddelt also völlig allein und ohne Rückendeckung zur Mitte des Sees und dann springt ihm sogar irgendwann der Zombie ins Boot …
Hätte sich der Untote still, heimlich und klamm über die niedrige Bordwand in das kleine Boot gezogen, ich hätts sofort geglaubt und nachvollziehen können. Aber diese "fliegender Fisch" - Nummer kam ein bisschen abstrus rüber und auch, dass der so schwer sein soll. Das Ding hat nicht mehr viel Fleisch auf den Knochen, hat ewig im Wasser rumgeschaukelt, Fische haben an ihm gezuzelt … und jetzt soll man es als durchtrainierter Polizeibeamter nicht vom Rücken runter befördern können?
Der Zombie schafft es jedenfalls, John mit sich unter Wasser zu reißen und da hat unser Geisterjäger natürlich keine Chance …
Stacy und Matt besuchen währenddessen die alte Nora. Die weiß seltsamerweise, dass Stacy Studentin ist, obwohl John sie beim Reverend als seine Assistentin vorgestellt hat und der wiederum hat die alte Nora informiert …
Dann erzählt sie ihre Version der Geschichte, dass Kreyaté nicht gelyncht, sondern erschlagen und seine Überreste außerhalb des Ortes verscharrt wurden.
Matt und Stacy beratschlagen kurz, was zu tun jetzt sinnvoll wäre, dann entscheiden sie sich dafür, sich zu trennen. Weil Stacy John Sinclair telefonisch nicht erreichen kann.
Au ja, sich zu trennen ist wirklich sehr sinnvoll.
Zwei unerfahrene junge Leute trennen sich während einer offenkundig gefährlichen vor sich hin schwelenden Situation …
Denken die auch mal nach? Was sollen sie denn machen, wenn sie jeweils allein diesem Zombie gegenüberstehen? Zu zweit könnten sie vielleicht noch etwas mehr ausrichten oder sich beim Flüchten gegenseitig anstacheln, schneller zu laufen …
Außerdem ist es für Stacy sicherlich ne Mammutaufgabe, den ganzen Boden einer verlassenen Scheune auseinanderzunehmen, um dort irgendwo die Überreste eines Toten samt Zauberstab zu finden. Aber wahrscheinlich ist diese Scheune nachher rein zufällig auch kaum größer als ein Geräteschuppen oder es gibt gar kein Grab oder keinen Zauberstab … mal abwarten.
Und wie Matt schon richtig bemerkt hat, entweder hat John den Zombie erledigt oder der Zombie ihn. Er wäre besser mit Stacy übergegangen, um nach dem Grab zu suchen, vier Augen sehen mehr als zwei und vor allem schneller. Und von dort könnten sie immer wieder versuchen, John anzurufen und ihn dorthin beordern. Wenn er nicht eh schon platt ist, was sie dann aber auch nicht verhindern konnten.
Dann nimmt Kreyaté wieder Kontakt mit Zombie Alcott auf und befiehlt ihm, Stacy auf der Buckers-Farm zu finden und sie gnadenlos auszuschalten.
Nach dem Gespräch mit der alten Nora schälte sich zudem allmählich heraus, um WEN es sich bei der Gestalt Kreyaté wirklich handelt … immerhin gehen die Optionen aus. Der Padre hätte es noch sein können, nur ist der, wie auch betont wurde, viel zu jung dafür. Also bleibt nur noch eine Wahl der Stunde …
Und, da ich ihn jetzt schon zum dritten oder vierten Mal gelesen habe: ich komm mit dem Satz
kleine Eissplitter rieselten sein Rückgrat herab absolut nicht klar. Ich denke mal, hier soll es Angst bedeuten oder einen Angstzustand beschreiben … bei mir sieht das vorm geistigen Auge auf Grund der Wortwahl allerdings ziemlich scharfkantig und blutig aus … (ich hab halt beim Lesen ne lebhafte und/oder sehr bildliche Fantasie).
Dann versteckt Matt sich in einem … äh … plötzlich gespawnten Graben, rutscht sogar vorher noch eine kleine Böschung runter … obwohl er vorher sagte, dass er rechts und links neben der Straße nur Felder und Wiesen ohne jeden Baum oder Strauch erkennen konnte, wo er sich hätte verkriechen können.
Als Stacy den Zombie sieht, der ihr zur Scheune gefolgt ist, muss sie ihn natürlich auch nochmal beschreiben. Allerdings hat der plötzlich wieder zwei intakte Augen. Dabei hatte der alte Montgomery ihm doch ein Auge mit seinem Stock geräuschvoll und visuell sehr eindrücklich zermatscht, zerplatzen lassen, wie auch immer … was dem armen Kerl aber leider auch nicht viel gebracht hatte.
Die Szene mit dem gebrochenen, pensionierten Schuldirektor an sich fand ich aber sehr schön ge- und beschrieben! Das war dann auch das erste Mal, wo ein Hauch von Grusel durch die Seiten wehte …
Dann siezt Matt John die ganze Zeit … auch noch, als sie mit dem Audi losfahren … doch während der Fahrt muss mir wohl entgangen sein, dass sich das geändert hat. Beim Aussteigen duzt Matt John dann plötzlich …
Schließlich gibt es am Ende auch noch eine sehr dürftige und zombiöse Voodoo-PriesterIN – Erklärung, was diesen Roman für mich dann endgültig in eine Herzschmerz-Zombie-Schmonzette abgleiten lässt … (tut mir echt leid, aber so ist es

)