Kaum hat John das letzte Abenteuer und eine weitere von Liliths Superintrigen ausgestanden, tauchen Morgana und Lykke in seiner Wohnung auf. Sie wollen wissen, wo Denise abgeblieben ist. Das weiß John aber auch nicht, nur dass Justine sie mitgenommen hat, um sie zu einer Vampirin zu machen. Womit ihre Beschützerinnen sich natürlich nicht zufriedengeben und sich mit John auf die Suche nach Denise machen.
In der Hexenwelt, die nach Assungas Tod von Justine beschützt wird, stoßen sie nur auf Denises Grabstein. Was natürlich nicht heißt, dass sie wirklich tot ist. Sicher nur wieder eine Scharade. Zum Beispiel, um ein neues Leben zu beginnen und das alte hinter sich zu lassen. Die Helden trauern aber erstmal ausgiebig. Dann taucht Justine auf und behauptet, Denise hätte die Verwandlung in einen Vampir nicht überlebt. Sowas ist meines Wissens bei JS noch nie passiert, kann Justine sich keine bessere Lüge einfallen lassen? Morgana nimmt ihr die Geschichte ab und will sie killen, aber die Vampirin teleportiert sich mit Assungas Zaubermantel einfach weg. Tja. John und Morgana machen sich dann auf den Weg zum Dorf der Hexen, vielleicht erfahren sie dort mehr. Lykke bleibt am Grab von Denise.
Es folgt etwas Hexendrama mit Justine. Die hat zwar den Zaubermantel und Liliths Segen, aber sie ist keine Hexe. Deshalb akzeptieren sie nicht alle in der Hexenwelt. Mit dabei ist die Emohexe Lulu, die genau ins Figurenschema von IRH passt. Das Mädchen spielte schon in einigen Romanen der Hexenwelt eine Rolle, aber bis jetzt konnte man sie gut wegignorieren.
Am Grab von Denise, will Lykke sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass Denise tot ist. Sie buddelt den Sarg aus, der natürlich leer ist. Ach was! Sie wird leider von Justine erwischt, die Lykke mit diesem Wissen nicht gehen lassen kann.
Im Hexendorf werden John und Morgana nicht gerade freundlich empfangen. Die Werwölfin verscheuchen die Hexen mit Feuer, John knocken sie aus. Und die notgeile Fae (noch so eine Junghexe) will mal nachsehen, wie gut bestückt der bewusstlose Geisterjäger ist. Vielleicht lohnt sich ein „Ritt auf der Liebeslanze“. Herrje, ich weiß schon, warum ich diese hillebergschen Nachwuchshexen versuche so gut es geht zu ignorieren. Die dritte im Bunde ist jedenfalls das naive Blondchen Polina. Sollen sie nur machen und labern und kleine Abenteuer erleben.
In der zweiten Hefthälfte erfährt der Leser endlich, was mit Denise geschehen ist. Und – ich hätte es eigentlich wissen müssen – es ist sehr traurig und dramatisch. Meine erste Vermutung war ja, dass Justine und Denise sich gut verstehen und Justine ihr hilft, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Aber das wäre ja kein schlimmes Seelendrama für Denise. Also wird sie stattdessen von Justine in einem dunklen Verlies gefangen gehalten und regelmäßig ausgesaugt, weil Justine irgendwie süchtig nach ihrem besonderen Blut geworden ist. Denise geht es mal wieder total beschissen und sie wünscht sich einen gnädigen Tod herbei. Scheiße, dabei war der Roman bis hierhin echt gut. Vielleicht weil die Dinge fehlten, die der Autor jetzt natürlich noch unterbringen muss.
Für noch mehr Drama gibt es jetzt im Hexendorf einen Umsturzversuch mit Johns erbeuteten Gegenständen gegen Justine Cavallo. Zum Glück scheint die Vampirin inzwischen sogar den Silbernen Nagel zu überleben. Beim Kreuz sieht es schon anders aus. Also zieht sie sich zurück und manipuliert John mit den üblichen Lügen und Intrigen, sie gegen die rebellischen Hexen zu unterstützen. Sowas liest sich bei IRH leider alles ziemlich gleich. Ob es nun Pandora, Asmodis oder in dem Fall Justine ist.
Am Grab gerät das Hexentrio mit einer angepissten Morgana aneinander. Zum Glück bleibt die Situation relativ friedlich, IRH will seine Nachwuchshexen ja nicht sofort wieder verlieren. Dann hören sie ein dumpfes Klopfen aus dem Sarg, in den Justine Lykke gesperrt hat, entdecken statt der Totenkiste jedoch nur einen tiefen Tunnel. Mandragoro war wenige Sekunden schneller als sie und hat sich den Sarg gekrallt, um Lykke zu retten. Justine beziehungsweise Lilith mag über die Hexen herrschen, diese Dimension geschaffen hat aber der Naturdämon. Weil er ja mit Lilith seit Urzeiten verbunden ist, was kürzlich erst offenbart wurde. Mandragoro Ex Machina bringt Lykke nicht irgendwo hin, sondern in das Verlies, wo Denise gefangen gehalten wird. Über diesen Tunnel kommen dann die Junghexen und Morgana dazu. Mit Mandragoros Hilfe können sie Denise befreien.
Indes hat John Justine dabei geholfen, den Aufstand niederzuschlagen und Oberhexe Evelyn zu töten. Da erreicht sie im passenden Timing die Nachricht, dass Denise noch lebt und gefunden wurde. Justine teleportiert sich mit dem Zaubermantel dorthin, um die Lage noch irgendwie zu retten. Als John nach einem Sprint dort ankommt, befindet sie sich bereits in den Klauen von Morgana, die sie gerade killen will. Soll sie doch. Was sie Denise angetan hat, müsste definitiv der Tropfen sein, der das eh schon randvolle Fass zum Überlaufen bringt. Doch John hält die Werwölfin im letzten Augenblick davon ab. Schon wieder? Wie oft hat John in letzter Zeit seine Chancen verstreichen lassen, Justine zu töten oder sie töten zu lassen? Ich mag die Blonde Bestie echt sehr, aber das ist jetzt endgültig Bullshit. Das Zögern reicht Lilith, um einzugreifen und Justine zu retten. Natürlich, wo auch immer es brenzlig wird, packt IRH einfach auf drei Sätzen die grandiose Über-Lilith aus und regelt das. IRH ist echt ein Meister darin, mich bei relativ soliden Romanen zum Finale noch richtig wütend zu machen. Denise ist jetzt jedenfalls in Sicherheit und wird zu den Nornen gebracht. John landet wieder in London, hat auch diesen Fall überstanden und kann erstmal durchatmen. Wäre da nicht einer die Signature-Sätze von IRH. „Zum Glück konnte ich nicht in die Zukunft schauen ...“.
Es ist eigentlich genau wie beim Grabschläfer-Roman. Der Roman beginnt echt interessant und für einen IRH in einem angenehmen Tempo. Dann kommen Action, Intrigen und Schock-Enthüllungen dazu. Trotzdem ist die Geschichte noch unterhaltsam für mich. Trotz dieses nervigen Junghexen-Trios, das hier schon mehr in den Fokus rückt, als in den letzten Hexenwelt-Romanen. Enden tut das Ganze dann in einem Finale, das mich schon wieder sauer macht, weil IRH hier alles nachholt, auf das er gerade in der ersten Hefthälfte verzichtet hat. Ich glaube, vor Jahren hatte ich es schonmal geschrieben. Es ist, als müsste IRH unbedingt gewisse Boxen pro Roman abhaken und diese Dinge unterbringen, damit er zufrieden ist und die Geschichte zur Veröffentlichung weiterleitet.
So macht es mir die Bewertung sehr schwer. In der ersten Hefthälfte wäre sogar ein Sehr Gut noch drin gewesen. Dann noch ein „gutes Gut“. Aber mit diesem Finale und den Szenen vorher im Hexendorf…

(6 von 10 Kreuzen) und immer noch ein Gut, aber ein schwaches. Wie halt beim Grabschläfer. Richtig Spaß macht das so im Endeffekt aber keinen.