Handlung: Der neue Fall beginnt für John und Suko auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik in London. Im Schrankenwärterhäuschen der Klinik wurde die mumifizierte Leiche des Wärters, der Nachtschicht, Alex Rhodes gefunden, obwohl dieser am Abend zuvor noch lebendig seinen Dienst antrat. John und Suko erinnern sich in diesem Zusammenhang an den Fall mit Steven Dream. Bei dessen Tod war Sinayra in seiner unmittelbarer Nähe gewesen. Hatte die ehemalige Göttin des Vergessens diesen Moment genutzt und die Kräfte von Dream übernommen? John ruft zuerst Zena Winterton an, die sie beim Dream – Fall nur knapp retten konnten, um sie vor dem Einschlafen zu warnen. Bevor sie sich mit Zena treffen, suchen die Geisterjäger noch die Mutter von Alex auf, um sie über den Tod ihres Sohnes zu benachrichtigen. Im Zimmer von Alex findet John keine Hinweise auf Sinayra. Am Abend suchen John und Suko, Zena Winterton und ihren Mann auf. Mit Hilfe von Johns Kreuz können die Geisterjäger Zenas Traum miterleben. John findet zwar keine Spur von Sinayra, kann aber den Anker zerstören, über den Dream und Sinayra ihre Energie abzapften. Sind sie nun wieder in einer Sackgasse gefangen oder werden die Geisterjäger einen anderen Weg finden, um Sinayra endlich zu stellen?
Meinung: Mit diesem Roman setzte Marie Erikson nun, die von Oliver Fröhlich begonnene Handlung um Sinayra, die Göttin des Vergessens, fort. Möglicherweise würde sie diese sogar, aufgrund der Vorgabe durch den Verlag, bereits in diesem Roman zum Abschluss bringen. Sinayra würde es wohl schwer haben, noch ein drittes Mal zu entkommen. Das sehr gut und auch etwas Furcht einflößende Titelbild dazu, wurde wieder von Thomas Greiwe, mit KI - Software, erstellt. Die drei blutüberströmten und verbundenen Frauen in der Tracht von Krankenschwestern, machten scheinbar exklusiv für Alex Rhodes, die berühmten Gesten der drei Affen. Auf der Leser-Seite gab es genauso wie in der Vorwoche eine erneute Panne. Dieses Mal erhielt Marlene Klein, die Autorin des vorangegangenen Vampir-Zweiteilers einen neuen Vornamen, weil sie hier Melanie Klein genannt wurde.
Marie schilderte die Gefühle von Alex Rhodes sehr intensiv und glaubwürdig. Sein Wunsch war zunächst während eines ruhigen Jobs auch Gruselromane lesen zu können. Dazu sollte er aber nicht kommen, weil er eine Phobie gegenüber der psychiatrischen Klinik hatte. Daher erlebte Alex während einer Nachtschicht seinen ganz persönlichen tödlichen Albtraum. Dies alles setzte Marie, zum Auftakt ihres Romans sehr überzeugend und spannend um.
Parallel zur Haupthandlung erzählte Marie, was Sinayra in der Vergangenheit, angefangen vom Tod des Steven Dream bis hin zum Mord an Alex Rhodes erlebte. Es war für sie gar nicht so einfach und ein langer Weg mit vielen Rückschlägen und Lerneffekten gewesen, bis es ihr tatsächlich gelang die Fähigkeiten des Steven Dream für sich zu nutzen.
Marie setzte an den richtigen Stellen immer wieder humorige Situationen in den Text ein. Wenn nötig griff sie dabei auch auf schwarzen Humor zurück. Oder sie hielt Vätern den Spiegel vor, die schliefen, während Mütter, auch bei älteren Kindern, oft an Schlafmangel litten, weil wieder einmal nächtliche Betreuungen, oder auch das Spenden von Trost, von Nöten waren. Ich glaubte das größte Lob für Marie war wohl, dass man bei ihrem feinen und lebendigen Schreibstil nicht merkte, ob der Text nun von Oliver Fröhlich oder ihr gewesen war. Sie setzte Olivers Sinayra – Handlung wirklich nahtlos und mit dem richtigen Gespür fort. Maries gelungene Humor-Mischung zeigte sich sehr gut in der Schilderung der Kapitel um Bernard Cholder, der sich, mit Recht, um seine alte Freundin sorgte, die mittlerweile in der Tiefkühltruhe, in einem Erbsen-Bett, ruhte. Außerdem war ihr Schreibstil so sauber, dass sie tatsächlich ohne jeden Textfehler auskam. Eine seltene und wirklich bemerkenswerte Leistung von ihr.
Der Schluss war dann in jeder Hinsicht überraschend und vollkommen unerwartet. Sinayra entkam dem Zugriff der Geisterjäger erneut. Schlimmer noch, es gelang ihr sogar noch bei John einen Anker zu setzen, der es ihr ermöglichte, ihn während eines von ihr gesteuerten Albtraums zu töten, ohne das John sich wehren konnte.
Außerdem erwies sich Sinayra gegen jede Waffe, die sie nicht beim ersten Kontakt tötete, anschließend immun. Als John sein Kreuz aktivierte erfolgte eine der seltsamsten Reaktionen, die es bisher in der Serie gab. Er verschwand einfach und kehrte, wie weiland Sokrates, nach ein paar Minuten in eine Tunika gekleidet, mit langem Haar und Vollbart, sowie dem Wissen um den Armreif des Schicksals, wieder zurück. Ich hätte gern mehr darüber gewusst was an dieser Stelle geschah. Möglicherweise war der Armreif wirklich die ultimative Waffe, die Sinayra vernichten konnte. Wo war er zu finden? Es wird also mindestens noch einen finalen Roman um Sinayra geben. Ich war wirklich sehr gespannt darauf, wie das noch aufgelöst werden würde und hätte am liebsten gleich weiter gelesen, was aber leider nicht möglich war.
Also blieb mir im Augenblick nur die Gesamtbewertung dieses Romans. Ich brauchte nicht lange zu überlegen, um zu einer Entscheidung zu kommen. Ich bewertete den Roman mit der Note 1 = Sehr gut und dekorierte Marie Erikson mit 5 von 5 Kreuzen. Nach der üblichen Wertung im Forum stimmte ich mit
Top ab.
