Handlung: Auch die Einladung zu einem Umtrunk von Chiefinspektor Tanner, schützte John nicht vor dem abendlichen Anruf seines Chefs. Der Kollege Kevin Lockwood, von der Mordkommission in Leeds, benötigte fachkundige Unterstützung im Fall einer ungewöhnlichen Leiche, der anscheinend Engelsflügel aus dem Rücken wachsen sollten. Also macht sich John umgehend auf den Weg in die Nähe des kleinen Ortes Garforth, östlich von Leeds, wo Inspektor Lockwood ihn erwartet. Der Tote war als Küster im nahen Garforth tätig gewesen. Durch den Einsatz des Kreuzes bilden sich die seltsamen Flügelansätze wieder zurück. Der ermordete Küster war auch als Hausmeister in einem Kinderheim in der Nähe tätig gewesen. Dorthin hatte Lockwood, vor einer Woche, das Mädchen Lucy Hart gebracht, dessen Eltern scheinbar einer Bestie zum Opfer fielen. Nur ein Zufall oder gab es doch einen Zusammenhang? Trotz der späten Uhrzeit meldet Lockwood, John und sich, bei der Leiterin zu einem Besuch im Kinderheim an. Mit seinem Kreuz muss John zunächst die augenscheinlich besessene Heimleiterin Maggie Corwell bändigen. John und Kevin Lockwood bringen Maggie Corwell danach in ihr Büro und verbinden dort ihre Handwunde. Diese stand nachdem der Einsatz des Kreuzes ein schwarzes Mal entfernte, wie es die Baphomet – Templer trugen. Maggie streitet ab irgendeiner dunklen Sekte anzugehören, sagte aber, dass sie an der betreffenden Stelle einen Stich spürte, als sie Lucy Hart die Hand schüttelte. Welches dunkle Geheimnis umgab das mutmaßlich zwölfjährige Mädchen Lucy Hart?
Meinung: Nach längerer Pause wieder ein Sinclair – Roman von Rafael Marques mit dem er dieses Mal nicht seine Aibon, sondern seine Templer-Handlung fortsetzte, die in der Karibik, auf Marie-Galante begann. Auch zu diesem Roman erstellte Thomas Greiwe, mit KI – Software, wieder ein gutes und passendes Titelbild. Dieses zeigte die geheimnisvolle Viela, die sich als Baphomets Medium und Stellvertreterin bezeichnete und der es auf Marie-Galante gelang das magische Medaillon des Henry St. Clair an sich zu nehmen.
Rafael ließ in diesem Roman auch das ehemalige Templer-Kind Clarissa Mignon wieder auftreten. Aus ihr war mittlerweile zumindest innerlich eine junge Frau geworden, die seit einigen Jahren, mit ihrem Ziehvater Raniel, in dessen Engelswelt lebte. Nun wurden Raniel und sie auf eine Festung auf Sardinien aufmerksam, in die düstere Mächte zurückgekehrt waren. Diese sendeten scheinbar Kinder in die Welt hinaus, in denen die nicht unbedingt positiven Kräfte von höllischen Engeln steckten. Um Raniel zu imponieren, für den sie mehr als eine Ziehtochter empfand, drang Clarissa auf eigene Faust in die Festung ein und geriet dort in Vielas Gewalt.
Dass das damals noch kurze Auftauchen von Viela auf Marie-Galante und auch das magische Medaillon von Henry St. Clair noch eine tiefere Bedeutung erhalten würden, hatte ich damals schon erwartet. Es war aber durch die anderen großen Ereignisse, um den Umsturz in der Hölle, von mir fast vergessen worden. Zeitlich gesehen musste sich Viela unmittelbar nach den damaligen Ereignissen, in der Karibik, auf der Festung in Sardinien eingenistet und diese mit Gleichgesinnten restauriert haben. Sie war der Grund warum Baphomets Magie nicht mit der Vernichtung des Götzen unterging. Als sein Medium und seine Statthalterin trug Viela einiges von Baphomets Magie in sich, was damals noch nicht ersichtlich war. Sie plante den Aufbau einer Armee die eines Tages in der Lage sein sollte Baphomet aus dem Schattenreich zu befreien und in die Hölle zurück zu holen. Möglicherweise war also in Sachen Luzifer doch noch nicht das letzte Wort gesprochen worden, so lange noch irgendwo Magie der drei Teufel vorhanden war. Hatte Lilith etwas übersehen, oder am Ende doch nur einen Pyrrhussieg errungen?
Die Verknüpfungen gingen zurück bis zur Varanga – Trilogie. Aviela trat damals noch als Varangas Beschützerin auf, bevor sie mit diesem qualvoll sterben sollte. Baphomet rettete sie, obwohl sie da schon eine stark verweste Leiche war. Als Preis für die Rettung musste Aviela fortan Engelskinder für Baphomet gebären. Ähnlich wie die Kreaturen der Finsternis sollten sich diese Kinder unter die Menschen mischen und dafür sorgen, dass sich die Anhänger von Baphomet stetig vermehrten. Nach seiner Vernichtung, setzte Viela dieses Prozedere per Gedankenverschmelzung mit Aviela fort, die sie auch als ihre Mutter bezeichnete. Durch das Medaillon gab sie Aviela ihren alten Körper zumindest in großen Teilen wieder zurück, damit diese ihrer Aufgabe nachkommen konnte. Lucy Hart gehörte auch zu diesen Engelskinder. Raniel gewährte ihr , auf Johns Bitte hin, Zuflucht in seiner Engelswelt. Das waren ganz schön viele Informationen auf einmal, die erst einmal sortiert werden mussten. Rafael hatte das alles richtig gut geplant und entsprechend umgesetzt.
Obendrein wurde das Medaillon auch als „Schlüssel nach Lazarus“ bezeichnet. Würde es auch dafür sorgen, dass das Böse seinen Weg nach Lazarus fand, in die geheimnisvolle Ruinenstadt im Zwischenreich von Aibon? Die Zukunft würde diese Frage genauso beantworten, wie diejenige ob Clarissa mit dem Baby aus der Festung nicht eine weitere magische Bombe in die Engelswelt brachte? Konnte ihre Liebe zu dem Baby verhindern, was bei Lucy Hart misslang? Diese bereitete Clarissa und Raniel bei ihrer Rückkehr eine grauenvolle Überraschung.
Insgesamt war es, meiner Meinung nach, ein jederzeit spannender Roman von Rafael gewesen, der sowohl gute Unterhaltung, als auch überraschende Wendungen bot. Zudem machte er mich neugierig auf weitere Fortsetzungen. Aufgrund der Andeutungen zu Lazarus erwartete ich dann doch noch eine Verknüpfung mit Aibon. Als angenehm empfand ich auch den Schreibstil von Rafael, der nahezu ohne Textfehler auskam. Alles in allem benotete ich diesen Roman mit der Note 2 = Gut und vergab dazu passend 4 von 5 Kreuzen an Rafael Marques. Nach der im Forum üblichen Wertung stimmte ich mit
Sehr Gut ab.
