In Sardinien steht eine Festung der Baphomet-Templer, die Clarissa Mignon infiltriert. Sie wird dabei von der neuen Anführerin der abtrünnigen Templer erwischt. Das dürfte diese Viela sein, die John bei seinem letzten Templer-Abenteuer kennengelernt hat. Hoffentlich erfährt man hier endlich mehr über sie.
John ermittelt indes in Garforth, wo einem toten Küster Ansätze von Engelsflügeln aus dem Rücken wachsen. Das Kreuz reagiert auf die Flügel, hier ist definitiv Magie am Werk. Mehr kann der Geisterjäger nicht sagen. Da es in der Nähe kürzlich noch einen Doppelmord gab, schaut er sich das auch mal an. Vielleicht hat er ja Heftromanglück und die beiden Fälle hängen irgendwie zusammen.
Ein Ehepaar wurde ermordet und ihre zwölfjährige Tochter Lucy in einem Kinderheim untergebracht. Die will John befragen, begleitet vom lokalen Inspektor Lockwood. Die Heimleiterin ist von Baphomet besessen und greift John an, doch der kann sie mit seinem Kreuz direkt von dem Bann befreien. Auch Lucy scheint ein Opfer von Baphomet zu sein, der sie zu einem dunklen Engel oder so gemacht hat. Sie erzählt John alles, was sie weiß. So erfährt er von der Festung, wo die Kinder zu Engeln gemacht werden. Lucys „Eltern“ waren in Wirklichkeit Baphomet-Templer, die sie auf ihre Aufgabe vorbereitet haben. Bis Lucy es nicht mehr aushielt, irgendwas aus ihr hervorbrach und ihre Eltern tötete. Schon wieder schlimmer Seelenschmerz für unschuldige Kinder, aber Rafael Marques geht wenigsten nicht in die Vollen. Die Verbindung mit dem Küster besteht darin, dass er hier auch als Hausmeister arbeitete und sich mit Lucy anfreundete.
Bevor John weiter mit ihr verfahren kann, erscheint zur Heftmitte Raniel und bittet den Geisterjäger um Hilfe, Clarissa zu retten. Lucy wird er derweil in seiner Engelswelt unterbringen, da ist sie sicher.
Währenddessen erfährt Clarissa, dass Vielas Mutter in der Festung gefangen gehalten wird. Ein gefallener Engel namens Aviela, der schon in der Varanga-Trilogie mitgespielt hat. Zwei Jahre ist das jetzt her, für mich als „Aufholer“ sogar noch länger. Sie ist auch die Mutter der anderen Baphomet-Engel und sorgt für ständigen Nachschub. Clarissa ist zwar keine von ihnen, aber Viela will sie bekehren, notfalls mit Zwang.
Zum Glück eilen John und Raniel im letzten Heftviertel zur Rettung und stoßen auf erstaunlich wenig Widerstand dafür, dass die Festung so wichtig ist. Aber kommen sie zu spät? Clarissa befindet sich in Baphomets Klauen und Raniel dreht durch. Eigentlich dürfte sich nach dem Varanga-Plot nichts dämonisches mehr im Gerechten befinden, aber irgendwie gibt es da doch noch einen Rest. Naja. Um Raniel zu beruhigen, redet John auf Clarissa ein, damit sie gegen Baphomets Einfluss ankämpft. Es gelingt ihr tatsächlich und dann bringt sie Raniel wieder runter. Puh, da ist gerade nochmal alles gut gegangen.
Oder auch nicht. Lucy entpuppt sich als Trojanisches Pferd, das ihren Einfluss nun in der Engelswelt ausbreitet und vielleicht die anderen Engel verdirbt.
Clarissa Mignon, Raniel und die Baphomet-Templer. Drei Gründe, warum ich mich auf den Roman gefreut habe. Aber richtig funken wollte es dann nicht.
Zum einen gefällt mir die Verbindung zur zwei Jahre alten Varanga-Trilogie nicht. Es muss nicht immer alles mit irgendeinem alten Plot zusammenhängen und kann auch gerne mal für sich stehen. Außerdem wird mit dem Lazarus-Amulett von Viela eine Verknüpfung zu Aibon hergestellt, die ich ebenso unnötig finde. Wir haben doch mit IRH einen Autor, wo alles mit allem zu tun hat. Dann soll Rafael Marques es ruhiger angehen lassen, bei seinen beiden Autorenbaustellen. Aibon und die Baphomet-Templer getrennt behandeln, ohne sie miteinander zu verknüpfen. Höchstens mal für einen einzelnen Roman, meinetwegen.
Kritikpunkt Zwei ist für mich, dass sich das alles schon wieder weniger wie ein organisches Gruselabenteuer anfühlt, sondern mehr wie „ich muss halt den Plot voran bringen und neue Dinge etablieren“. Ok, da hat IRH es einfacher, weil er den Großteil der Romane schreibt. Rafael Marques muss vielleicht wirklich jede Geschichte für etwas wichtiges nutzen, wenn er denn mal ran darf. Erklärt die Sache, macht sie für mich als Leser aber nicht besser.
Kann an meiner „Tagesform“ liegen, aber da reicht es echt nur zu einem überdurchschnittlichen MITTEL

(6 von 10 Kreuzen). Habe etwas überlegt und ein Gut ist diesmal für mich trotz des Autors einfach nicht drin.