Der Roman beginnt damit, dass ein älteres Geschwisterpaar hellseherische Vorahnungen bekommt, die große auf sie zukommende Probleme anzeigen. Zufällig sind sie bereits mit Camilla Davies bekannt, die sie Björn Hellmark vorstellen will. Bevor dies geschehen kann, wird Ullrich Koster jedoch entführt, obwohl er keine Reichtümer besitzt. Der Grund der Entführung ist ja auch ein anderer.
Zwei Bauern, Vater und Sohn, werden auf einem Feld von zwei riesigen Flugvampiren angegriffen und getötet. Bald darauf sind sie zu ebensolchen geworden und folgen dem geistigen Befehl von Ustur, dem Unheimlichen, einem der 7 Hauptdämonen von Rha-Ta-N'my. Dieser möchte mit allen Mitteln Molochos' Stelle übernehmen.
Es sind ja nur noch 6 von ihnen übrig, denn Sequus, der Ursen-König, wurde von Björn Hellmark bereits als Erster vernichtet!
Molochos will dies selbstverständlich verhindern und erscheint im Haus der Kosters, nicht ahnend, dass Björn Hellmark ihn erwartet, denn durch Marga Kosters Kontakt zum Jenseits weiß er, dass der Dämonenfürst kommen wird. Und es gelingt ihm, Molochos mithilfe der 7 Manja-Augen zu bannen. Diese Stunde aber nutzt Ustur, um mit den Flugvampiren einen Angriff zu starten, denn ein unbeweglicher Molochos ist ein leichtes Angriffsziel.
Ich würde sagen, dieser Roman hat sein Thema etwas verfehlt, weil einfach zu viele verschiedene Handlungsstränge hineingeschrieben wurden. Allein die Bannung Molochos', dieses erklärten Hauptgegners Hellmarks, hätte einen eigenen Roman wert sein sollen/müssen! Abgesehen davon, dass der Oberschurke nicht einmal wahrnimmt, dass Björn Hellmark sich einfach hinter einem Vorhang verbirgt! Aber nein, Dan Shocker/Jürgen Grasmück flicht dieses Geschehen in eine relativ banale Handlung ein. Da hätten andere Autoren sicher mehr daraus gemacht. Auch die titelgebende Story ist nicht stark genug, denn Ustur tritt nie direkt auf, sondern bleibt in einer anderen Dimension gefangen, bewacht durch die Aanss, riesige Flugmenschen mit Vampirzähnen, die jedoch nur an Atalpha-Pflanzen nuckeln, deren Saft rot wie Blut ist. Obwohl ihr Anführer, Komestos II., von Verrätern an den "Kahlen Fels" in der Ostsee gekettet wird, um dort zu verdursten, gibt dies auch nicht viel her. Die Entführungsgeschichte um Ullrich Koster ist gar zu dünn und teilweise zu sehr an den Haaren herbeigezogen (verrückter Parapsychologe, der unentdeckt ein unterirdisches Labor aufbauen kann, um medial begabte Menschen für seine Zwecke zu benutzen), um den Spannungseffekt zu retten.
Das Allerschlimmste ist für mich aber, dass hier das besondere Harmoniebedürfnis von Dan Shocker/Jürgen Grasmück zutage tritt: Er kann keine Hauptpersonen killen! Nein, Molochos wird in relativ kurzer Zeit ein streichelzahmer, 20 000 Jahre alter, liebenswürdiger Opi, dem man sofort seine lieben Kleinen anvertrauen würde, damit er ihnen Gute-Nacht-Geschichten erzählt oder ihnen etwas vorsingt! Urrrgggghhhh! Auch die Story nach der Rettung von Komestos II. durch Macabros entspricht für mich eher dem deutsch-österreichischen Heimatfilm der 1950er-Jahre, mit so viel Kitsch ist diese Szenerie behaftet. Und der arme Ustur muss irgendwo gefangen herumschmoren und kann nur Ränke schmieden, anstatt dass dieser Oberdämon seine Bösartigkeit ausspielen dürfte. Die durch nichts zu tötenden Flugvampire verpuffen natürlich durch einen einzigen Stich mit dem Schwert des Toten Gottes. Am Ende springen alle – Hellmark, die Kosters, Rani Mahay, Camilla Davies und der ehemalige Molochos, ab jetzt Ak Nafuur – nach Marlos und setzen sich vermutlich an den Strand. Ak Nafuur/Molochos ist derart geläutert, dass das gespeicherte und gegen alles Böse abschirmende Gute der Insel Marlos ihn weder abstößt noch vernichtet!
Das hätte meines Erachtens schon ganz anders gehandhabt werden sollen, zumindest nicht gar so schnell und gar so einfach ...
Aus diesem Grund vergebe ich nur
2 von 5 Schwerter des Toten Gottes für die Handlung, weil zu wenig aus den Möglichkeiten gemacht wurde. Dennoch ist dieser Roman nicht unwichtig für die Chronologie der Macabros-Serie und auch recht flüssig zu lesen.
Das Titelbild stellt die Szene mit Komestos II. dar, der angekettet auf dem "Kahlen Fels" in der Ostsee ausharrt. Es drückt relativ viel Gefährlichkeit des Burschen aus, und ich finde, es ist nicht schlecht gemalt, wenn es auch nicht von Lonati stammt. Ein etwas hellerer Hintergrund hätte m. E. nicht geschadet. Ein Detail am Rande: Wo nur ist die Kette für den rechten Arm abgeblieben?
Ich vergebe
2 von 5 Schwerter des Toten Gottes.