Auf dem neu aus den Fluten des Pazifiks aufgetauchten Nordteil von Xantilon begibt sich ein Trupp von Armeeleuten, um dort nach dem Rechten zu sehen. Sie wissen aber nicht, dass inzwischen alle 7 Siegel im Thron des Sequus erbrochen sind, sodass die 7 Todesreiter der geheimnisumwitterten Apokalypta frei geworden sind wie auch Apokalypta selbst. Die Todesreiter richten ein Massaker unter den Soldaten an, von denen keiner überlebt. Sie lassen sogar alle drei Hubschrauber abstürzen und töten deren Besatzungen.
Björn Hellmark, der mit Rani Mahay (auf dessen Schulter es sich Whiss gemütlich macht), Arson, Carminia Brado und Pepe wieder im ehemaligen Palast des Sequus unterwegs ist, erkennt zu seinem Entsetzen, dass die 7 Siegel erbrochen sind! Er lässt Carminia und Pepe durch Macabros in die Gärten des Hestus in Sicherheit bringen. Dort sollen sie weiterforschen an den noch ungelösten Geheimnissen. Macabros hat schließlich eine Begegnung mit Kaphoon, dem Namenlosen. Er holt Björn Hellmark hinzu. Es scheint Björns erste Begegnung mit seiner ersten Existenz zu werden, aber Kaphoon verhält sich absolut feindselig ihm gegenüber und bekämpft ihn! Björn wehrt sich, betritt dabei unwissentlich einen magischen Kreis – und landet in der Burg von Apokalypta, der ewigen Unheilbringerin! Die reinblütige Dämonin, die auch zu den 7 Hauptdämonen der Rha-Ta-N'my gehört, tötet ihn aber nicht sofort, sondern hat etwas ganz Spezielles mit ihm vor.
Unterdessen entdeckt Pepe im Garten des Hestus eine satellitenschüsselartige Wanne, die von eigenartigen Pilzen und Blumen umstanden ist. Irgendetwas fordert ihn dazu auf, eine Blume zu pflücken und diese in die Schüssel zu werfen. Gleich darauf findet er sich in New York in einem Juwelierladen wieder, wo gerade ein Gangsterpaar einen Überfall durchführt. Einer der Räuber richtet einen Revolver auf ihn, bereit zu schießen ...
Rani Mahay und Arson entdecken ein einem Hai ähnelndes Flug- und Tauchschiff der Ursen und können damit auch auf die Nordspitze Xantilons fahren. Dort angekommen, werden sie von den Kriegsschiffen der Amerikaner unter Feuer genommen. Mit Müh und Not gelingt es ihnen, in die Burganlage zu fliehen, wo sie ebenfalls in den Kreis geraten und in Apokalyptas Burg landen. Besser gesagt: Es ist die gleiche Burg, aber sie kommen in der Vergangenheit Xantilons an. Und werden gleich darauf Zeuge, wie sich Björn Hellmark, unter dem Bann der Apokalypta stehend, wutentbrannt auf Kaphoon stürzt. Mit der Absicht, sein Alter Ego zu töten! Denn dadurch will Apokalypta zwei Fliegen auf einmal schlagen: Durch Kaphoons Tod will sie gleichzeitig auch Björn Hellmarks Wiedergeburt verhindern. Und ihr Plan scheint problemlos aufzugehen, während sie Rani und Arson langsam zu Stein erstarren lässt ...
Meinung: Es ist meiner Meinung nach ein durchwachsener Roman, obwohl hier erstmals Apokalypta, die ewige Unheilbringerin, ihren ersten persönlichen Auftritt hat – und das gleich mit einem furiosen Plan, wie sie den großen Widersacher der Dämonen beseitigen lassen kann. Leider geht das interessante Szenario um Apokalypta und ihre 7 Todesboten in den vielen Erklärungen und zum Teil auch unnötig wirkenden Handlungssträngen etwas unter. Es ist sicher nicht unwesentlich, dass Pepe den Spiegel des Hestus entdeckt, denn damit wird es für alle Marlosianer noch wesentlich leichter werden, die Insel zu verlassen, aber in diesem Roman hätte das Augenmerk wesentlich mehr auf der Titeldämonin und ihren Todesboten liegen sollen. Da wurde sehr viel an Spannung verschenkt. Überhaupt treten die so gefährlichen Todesreiter nur ganz am Anfang kurz auf, um danach nie mehr gesichtet zu werden. Warum lässt Apokalypta sie nicht auf Rani Mahay und Arson los, um diese aus dem Weg zu räumen?
So wird wieder viel zu viel herumgeeiert und seitenweise Potenzial verschenkt, das mit mehr Geschehen zwischen Apokalypta und Björn Hellmark besser genutzt hätte werden können. So beispielsweise mit der Verführung des willenlosen Hellmark durch die schöne Dämonin, ohne dass Carminia etwas dagegen hätte machen können. Aber das durfte halt nicht geschehen, um die heile Welt des kreuzbraven Liebespaares nicht zu stören. Und so wird wieder in kurzen Absätzen der Kampf Kaphoon versus Björn Hellmark abgehandelt und auch Apokalyptas Vision wird nur in wenigen Zeilen durchgeführt. Schade darum. Nur selten ist in Dan Shockers Romanen eine echte Schlachtfeldschilderung zu lesen. So auch hier wiederum. Wenigstens gewährt uns der Autor einen spannenden Cliffhanger, indem er die beiden Kontrahenten auf die wieder aufgetauchte gigantische Alptraumstadt Gigantopolis zureiten lässt, um dort ihren Kampf weiterzuführen ...
Was ich nicht verstehe, ist, warum es das Schwert des Toten Gottes bei der Begegnung Kaphoons mit Björn Hellmark gleich doppelt geben kann?! Das kann einfach nicht stimmen. Es heißt stets, dass nur ein Schwert in der magischen Esse eines Schmiedes auf Xantilon hergestellt wurde! Es ist schon schlimm genug, dass es sich in Macabros' Hand schlicht und ergreifend verdoppelt (soll aber sein, denn sonst würde das Macabros-Sujet nicht funktionieren), aber dass Kaphoon und Björn Hellmark als zwei natürliche Personen dieses magische und legendäre Schwert nun auch doppelt in Händen halten, das ist doch zu viel des Guten! Hier kann niemals von einer notwendigen Verdoppelung die Rede sein. Das ist meines Erachtens ein schwerer Fehler des Autors gewesen.
Dieses Schwert hat Björn Hellmark erst Jahrtausende nach Kaphoons Tod im Atlantik auf der versunkenen Nordspitze Xantilons in Gegenwart von fünf Schwarzen Priestern an sich nehmen können. Wieso sich die Nordspitze Xantilons nun im Pazifik aus den Fluten erhebt, ist ebenfalls so ein Mirakel. In MAC Nr. 2 »Fluch der Druidin« ist es der Atlantik (wie auch in anderen Romanen), ab MAC Nr. 65 »Xantilon – Urkontinent aus der Asche« hebt sich die Nordspitze aus dem Pazifik! Auch hier wird meines Erachtens recht leichtfertig mit den verschiedenen Ozeanen umgegangen. Desgleichen war Xantilon zu Beginn der Serie und die ersten 4 Dutzend Hefte gewiss immer eine große Insel, mit der Zeit wurde Xantilon dann zum Kontinent. Ab da war es nichts mehr mit der »Insel der Götter«, welche Xantilon besonders liebten und sie deshalb nicht einfach so den siegreichen Heerscharen der Dämonen überließen.
Ebenfalls mit den Jahrtausenden. Zu Anfang hieß es immer, Xantilon wäre ca. 10 000 Jahre vor Christi Geburt (also ca. 12 000 Jahre vor unserer heutigen Zeit) annähernd gleichzeitig mit Atlantis und der legendären Dracheninsel Mu untergegangen (siehe dazu MAC Nr. 32 »Kreatur der Verdammnis« auf Seite 15). Dies würde sich sogar mit heutigen Berechnungen decken, die davon ausgehen, wenn es Atlantis tatsächlich jemals gab, dann müsste der Inselkontinent ca. vor 12 000 Jahren untergegangen sein.
Auf einmal wurden daraus 20 000 Jahre, und es erschließt sich mir nicht, weshalb. Eventuell, um eine schönere Jahreszahl zu erhalten? Keine Ahnung, aber das passt irgendwie zu all den anderen Dingen, mit denen in dieser ansonsten doch so wunderbaren Serie recht sorglos, um nicht zu sagen gedankenlos umgesprungen wurde. (Das Dilemma mit den 7 Manjaaugen, die dann doch nur 6 Stück waren, habe ich in einem Kommentar zum Roman MAC Nr. 75 »Ustur – in den Klauen des Unheimlichen« genauer erläutert.)
Ein Detail am Rande: Die Balkonszene zwischen Apokalypta und
Tantor erinnert mich stark an die Szene in
MAC Nr. 34 »Galeere des Grauens«, wo sich die Kaythen-Prinzessin Amana mit
Antor, einem Cavhs-Gelehrten, über Björn Hellmark unterhält. Noch dazu ist die vorliegende Romannummer genau doppelt so hoch wie beim damaligen Roman. Nur ein Zufall ...?
Fazit: Ein Roman, der es nicht ganz schafft, nach dem fulminanten »Kh'or Shan-Zyklus« gleichwertig oder noch spannender den Anschluss zu finden. Sicher hat es auch damit zu tun, dass die Heftromane im 4-wöchigen Abstand erschienen sind (betrifft die Erklärungen vorherigen Geschehens), aber deswegen hätte gerade die Einführung einer so starken Gegnerin wie Apokalypta spektakulärer über die Bühne gehen können oder gar müssen. Die Verschlagenheit Apokalyptas wurde zumindest gut in Szene gesetzt. Wir werden sehen, was sich zukünftig daraus ergibt.
Besonderheiten:
Pepe entdeckt den »Spiegel des Hestus«, der ihnen noch eine große Hilfe werden wird.
Apokalypta, die »Ewige Unheilbringerin«, hat hier ihren 1. persönlichen Auftritt.
Gigantopolis, die Alptraumstadt Apokalyptas entsteht wieder in der Vergangenheit Xantilons.
Björn Hellmark trifft zum 1. Mal direkt auf sein Alter Ego Kaphoon, dem Namenlosen – und will ihn töten!
Ich vergebe
4 von 5 Schwerter des Toten Gottes,
wobei eines für die vielen Besonderheiten vergeben wird.
Das Titelbild zeigt die beschriebene Szene im Roman, in der Apokalypta auf ihrem seltsamen, echsenartigen Reittier, das wie ein Pferd läuft, gegen das sie angreifen wollende Heer unter Kaphoons Führung anreitet. Durch die flüchtenden Menschen wird die Angst vor der wunderschön dargestellten Dämonin ganz gut erkennbar, obwohl es sich nur um eine Vision der Dämonin dem Heer gegenüber handelt. Ich finde, Lonati hat die Dämonin Apokalypta sehr gut getroffen und es verwundert wenig, dass Björn Hellmark dieser vamphaften Frau zu verfallen scheint ...
Für das Titelbild gibt es
4 von 5 Schwerter des Toten Gottes.