Was ist das eigentlich neuerdings mit dem Trend der traumatisierten jungen Mädchen, die vom Leben nun nochmal eins reingedrückt bekommen? Gab es bei den Nebelwölfen schon und hier wieder. Hat eine Lübbe-Umfrage ergeben, dass sich die Hefte mit sowas besser verkaufen lassen?
Eine junge Frau flieht vor ihren perversen Häschern, die sie wie Tiere auf einer Treibjagd zu Pferde durch den Wald hetzen. Zwei andere hat es schon erwischt. Annelene wird zum Glück von einem einsamen nächtlichen Heftromantiming-Autofahrer aufgelesen und gerettet.
Andernorts graben zwei Ganoven für Nathaniel Dekker einen Sarg aus. Der Leichnam entpuppt sich als gebannter Vampir, der nun aktiv wird und die Kerle aussaugt. Nathaniel soll den wiedererwachten Blutsauger zu dessen Sohn bringen.
[COLOR=bbcf83]Jetzt, dessen war sich Nathaniel Dekker bewusst, ging die Sache erst richtig los.[/COLOR]
Der Vampir David von Holstett will nämlich an das Vampir-Amulett kommen und dafür braucht er Daddy. Der soll ihm endlich verraten, wo es versteckt ist und macht das mit ein wenig Nachdruck auch.
Nathaniel Dekker indes soll einen weiteren Auftrag für den Vampir ausführen. Er und seine Bande waren es, die die arme Annelene gejagt haben. Dekker soll sie entsorgen. Annelene hat sich zwar bereits an die Polizei gewendet, aber die Beamten stehen auf von Holstetts „Gehaltsliste“ und haben ihm verraten, wo die junge Frau sich momentan befindet. Natürlich, was für ein passender Zufall. Eine mysteriöse Gestalt wie Nathaniel Dekker hat natürlich immer ihre eigenen Pläne.
[COLOR=bbcf83]Er dachte gar nicht daran, den Auftrag so auszuführen, wie der Vampir es von ihm erwartete.[/COLOR]
Trotzdem fährt er erstmal zu Annelene Maier, die bei ihrem Retter Peter Förster ist. Schon wieder so schön deutsche Namen überall. Nathaniel will ihnen zwar nichts tun, aber irgendwelche Maskierten erscheinen und eröffnen das Feuer. Peter wird erwischt, aber Annalene kann der dämonische Privatdetektiv retten. Die Maskierten sind offenbar die Polizisten unter der Knute des Vampirs, die Rakk erledigen sollten. Tja, das hat nicht funktioniert.
Also zurück zum Schloss und David von Holstett zur Rede stellen. Der und seine Vampirbrüder sind aber schon ausgeflogen. Nathaniel trifft nur noch auf den Schlossverwalter Arnold Melzer. Der kennt die alte Familienlegende vom Vampir-Amulett. Und weil er sich mit Nathaniel so versteht, gibt er ihm gleich mal die Schlüssel zum Schloss. Logisch.
[COLOR=bbcf83]“Danke“, sagte Dekker etwas verdutzt, als Melzer ihm den Schlüssel reichte. So einfach machte man es ihm in seinem Job selten.[/COLOR] Tja, kannst dich beim Autor bedanken. Im Schloss trifft der Privatdetektiv dann auf Justine Cavallo, die hier ebenfalls herumschnüffelt. Ok, das ist interessant. Ich finde ja, dass diese trashige Figur gerade zu Jason Dark passt und man sie nicht zu „vernünftig“ darstellen sollte. Mal schauen, wie Rafael Marques mit ihr umgeht. Die beiden trennen sich jedenfalls nicht gerade freundschaftlich.
Nina Halver lebt jetzt mit ihrem Mann Michael und ihrem John Nicklas bei der alten Wassermühle, wo das Amulett versteckt wurde. Ihr Pech. Zuerst erwischt es Michael, dann verletzt David von Holstett Nina schwer.
Die Vampire haben zum Glück eine Karte hinterlassen, wo die Wassermühle als ihr Ziel eingezeichnet ist. Nathaniel weiß also direkt, wo er hin muss. Ihm ist klar, dass die Vampire eher dort sein werden als er. Was weder er noch ich erahnen, ist dass die Blutsauger ihn mit der Karte hereingelegt haben. Hier ist das Amulett nicht. Dafür ein klassischer Sprengstoffkoffer, der explodiert. Fies. Natürlich treibt Rafael Marques es nicht so weit, seine Figur wirklich zu töten. Nathaniel wird ganz praktisch von der Druckwelle aus einem Fenster geschleudert und landet im weichen Gras. Justine ist ihm gefolgt und macht ihm ein Angebot der Zusammenarbeit, das er jetzt nicht mehr ablehnt.
Aber wie kommt man auf die Spur der Vampire? Die könnten überall sein und im Schloss gab es keine weiteren Hinweise. Easy, Heftroman-Magic.
[COLOR=bbcf83]Justine wusste, was sie zu tun hatte. Sein Plan sah vor, sich mit ihrem Geist zu verbinden und so auf magisch-psychischer Ebene nach den Auren aller Vampire zu suchen, die sich in der näheren Umgebung aufhielten.[/COLOR] Dass er durch das Ritual Justines Erinnerungen und Empfindungen durchlebt oder die Seele von Dracula 2 in ihr spürt, kann ich noch verstehen. Aber so irgendwelche anderen Vampire aufspüren, die nichts mit Justine gemein haben? Das ist schon ziemlich…rassistisch. Nicht alle Vampire sind gleich. Außerdem müsste der paranormale Scanradius schon ziemlich groß sein. In der unmittelbaren Umgebung halten die sich nicht mehr auf, das sind schon so einige Kilometer.
Aber der Autor braucht halt einen Weg, schnell zur Lösung zu kommen. Deshalb funktioniert das Ritual und sie wissen jetzt, wo die Blutsauger sich aufhalten. Bei Ben und Tina Möller, Rafael Marques bleibt den klassischen Namen treu. Nathaniel und Justine müssen sich dann vor der Wassermühle mit den Lakaien von David von Holstett herumschlagen. Drinnen kommt der Blutsauger zwar an das Amulett, wird von seinem Vater aber gepfählt. Als Justine und Nathaniel ihn stellen, bannt er die Vampirin mit dem Amulett und will sie ebenfalls pfählen. Das könnte Nathaniel geschehen lassen, ein Feind für das Sinclairteam weniger. Leider steht er nicht direkt auf der Seite der Geisterjäger und erschießt stattdessen Eduard von Holstett. Während Justine noch gebannt ist, krallt sich Nathaniel vor ihren Augen das Amulett, ohne dass sie etwas dagegen tun kann. Na, das wird hoffentlich noch einen spannenden Vergeltungsroman geben.
Wofür braucht Nathaniel das Amulett eigentlich? Er ist kein Vampir und kann sich seine Magie eh nicht zunutze machen. Ganz einfach, jemand kann ihm im Tausch für das Artefakt verraten, wo es einen Übergang nach Twilight City gibt. Es ist der Vampir-Urahn. Jetzt fängt auch noch Rafael Marques an, alte Einmalfiguren aufzutauen. Die 1739 erschien 2011. Und mehr als einen Kurzen auftritt hatte der Urahn meines Wissens nie. Andererseits wird er hier eh vernichtet oder bald vernichtet werden. Nachdem Nathaniel erfahren hat, wo er hin muss, übergibt es dem geschwächten Urahn das Amulett nicht. Darüber hinaus hat er John Sinclair alarmiert, der bald hier eintreffen müsste, um den Kerl zu vernichten. Ja ok, ich meckere oft wegen zu vielen Figuren in der eh schon überladenen neuen JS-Ära. Aber den hier hätte ich mir vorstellen können, als neuen Partner für Justine.
Ganz klar ein Roman mit Fokus auf Rakk. Trotzdem hätte ich mir mehr Justine gewünscht. Ich bin einfach ein Fan der blonden Bestie und Rafael Marques bindet sie auch ganz ordentlich ein. Das ist wieder eine seiner Stärken. Er schreibt nicht „seinen“ JS, sondern einen modernen Dark-JS. Die Fülle an klassischen deutschen Namen, egal. Der Roman spielt schließlich in deutschen Gefilden, so übertrieben wie beim Dämonenkiller ist das längst nicht.
Der Handlungsaufbau an sich war auch in Ordnung. Es gab zwar einige Dinge, wo Rakk der nächste Schritt für meinen Geschmack zu einfach und schnell zugeworfen wurde (wortwörtlich), aber im Gegenzug auch die Falle mit der falschen Wassermühle. Das gleicht die Sache aus. Bitte mehr davon, die Helden können schließlich nicht immer Zufälle erleben, die perfekte glückliche Auswirkungen haben.
Kritisieren möchte ich noch das magische Jackett mit den Taschen, aus denen Rakk jederzeit ein plotdienliches Wundermittel ziehen könnte. Ist mir zu mächtig und wird hoffentlich nicht zu exzessiv genutzt.
Während der letzte Nebelwolf-Roman des Autors sich für mich unangenehm wie ein Hilleberg-Marques-Hybrid las, bin ich hier wieder voll dabei und wurde wunderbar unterhalten. Obwohl ich nicht unbedingt ein Fan von Rakk bin und ihm bei JS neutral gegenüberstehe.

:baff: :baff: (8 von 10 Kreuzen) und ein SEHR GUT. Wobei mich Romane ohne den Serienhelden auch überhaupt nicht stören.
Original von Dämonengeist
Entgegen meiner Ankündigung muss ich euch mit der Begründung allerdings zu der Fortsetzung dieses Romans vertrösten, sonst würde ich zu viel von dessen Handlung vorwegnehmen. Geschrieben ist er jedenfalls schon länger, aber eine Bandnummer kann ich euch noch nicht sagen.
Hauptsache es geht auch mit Rog weiter. Der interessiert mich ehrlich gesagt mehr als Rakk. Oder kommt bald eine neue Figur? Wie wäres es dann mit Rick? Wenn die sich verbünden können die sich Rick, Rakk und Rog nennen und sind die Neffen eines mächtigen Vogeldämons. Ich sollte den Autor nicht auf Ideen bringen.
