Sind es mal wieder knapp 4 Word Seiten geworden. Wenn ich doch nur Geschichten so locker von der Hand schreiben könnte wie Meckertexte. Dann könnte ihr auch mal ausgiebig über einen Sinclair von mir meckern. Aber es soll halt nicht sein.
Es ist schön, dass Florian Hilleberg sich den klassischeren Covern widmet. Das ist dieses mal aber so umgesetzt, wie Dark es gern tut. Mit einem Trick, dann da sitzen gar keine Gruselgerippe im Flieger. Die Stewardess Gloria unterliegt lediglich für ein paar Minuten einer magischen Illusion, bevor wieder alles normal ist.
John kümmert sich um diesen Fall. Es gibt ein Vorgespräch, in denen er sich als Psychiater versucht und herausfinden will, ob die Dame nicht nur einen Nervenzusammenbruch oder Halluzinationen hatte. Schön und gut, aber hat er denn für sowas überhaupt eine Ausbildung? Der Kerl ist Polizist und Spezialist für Geisterjagd. Man hat eine gesamte paranormale Abteilung im Yard. Wieso keinen richtigen Fachmann anheuern, der diese Vorgespräche führt und sie dann an John weiterleitet? So richtig passt das für mich nicht. Wenn Hilleberg so aktiv ist, soll er der „Spezialabteilung“ lieber mehr Leben einhauchen, das fände ich mal eine gute Änderung. Es gibt zwar eine psychologische Beraterin, die dann noch eingeschaltet wird, aber wieso nicht mit ihr das Erstgespräch führen statt mit John? Jedenfalls begibt sich John mit Gloria nach Dundee und wieder sieht sie beim Anflug Skelette.
Wir springen zu zwei Geocachern, die im Lomond Hills Regional Park von Skeletten angegriffen werden, die sich ganz klassisch aus dem Erdboden wühlen. Lilly rutscht bei ihrer Flucht doof auf dem glitschigen Moos aus, was für ein Pech. Sie fliehen ausgerechnet in Richtung eines verlassenen mittelalterlichen Dorfes, wo sie dann von „dutzenden“ Gerippen eingekesselt werden. Mit einer Hand voll gibt Hilleberg sich natürlich nicht zufrieden. Das übliche eben. Erfreulicher Weise passt bis hierhin der Rest. Wie schon bei den Ghouls im Sumpf ist es herrlicher Grusel und macht Spaß zu lesen. Bitte bitte, lieber Herr Autor. Keine tiefsinnige Botschaft, Moral oder überraschende Sozialtragödie. Einfach mal ein nettes solides Gruselabenteuer. Vielleicht erfüllt sich mein Wunsch heute.
Zum Beispiel möchte ich kein Beziehungszeug wie
[COLOR=bbcf83]“Ich möchte nicht indiskret erscheinen, aber sind Sie ein Paar?“ „Ja“, erwiderte Maxine, in derselben Sekunde, in der das „Nein!“ aus mir herausplatzte. Ich spürte, wie mir das Blut in den Kopf stieg. Maxine hob die Brauen und warf mir einen indignierten Seitenblick zu.[/COLOR] Genau so schlimm finde ich wieder den „humoristischen“ Hilleberg Smalltalk, als John das Vogelmädchen begrüßt. Naja. Gut, haben wir jetzt von der Liste, können wir das bitte auf das Allernötigste begrenzt lassen?
Bei den eingekreisten Schatzsuchern zeigt sich eine kleine kichernde Gestalt in rotem Umhang. Die Gerippe versuchen sie in einen Brunnen zu stoßen. Dabei reagiert Gerald so, wie es die Skelette nie erwarten würden. Können solche Gestalten überhaupt „überrascht“ sein und „völlig überrumpelt“ werden? Das sind nur nur öde Marionetten des Bösen.
[COLOR=bbcf83]Im nächsten Moment griffen die restlichen Skelette an. Und sie kannten keine Gnade.[/COLOR]
Mit diesem Cliffhanger geht es zurück zum gemütlichen Abendessen in Maxines Haus. Dabei gibt es eine rührende Szene, in der Carlotta von John eine Hochschulberechtigung vom Innenministerium erhält, damit sie endlich Tiermedizin studieren kann, was sie schon immer wollte. Ob Egloskerry oder Dundee, das Zwischenmenschliche wird bei Hilleberg groß geschrieben.
Carlotta fliegt dann über den Regionalpark und spürt eine seltsame Kälte. Entgegen der Warnungen von John und Maxine setzt sie zur Landung an.
[COLOR=bbcf83]“Gucken kostet nichts“, sagte sie sich.[/COLOR] Durch den Vorschautext und Titel des Folgebandes weiß der Leser ja schon, dass das Vogelmädchen in ihrer Neugierde zu leichtsinnig ist und die Aktion nicht gut gehen wird. Carlotta lernt es halt auch nicht. (Nachtrag: Ok, da habe ich mich geirrt und Florian hat mich gut an der Nase herum geführt) John und Maxine fahren zügig dorthin, bevor etwas passieren kann. Im Schlepptau haben sie Gloria, die natürlich unbedingt mit will. Richtig so, immer die Zivilisten mit ins Gefahrengebiet nehmen.
Natürlich wird Carlotta im Dorf von Skeletten angegriffen. Zum Glück hat sie Johns Kreuz dabei und kann sich vorerst befreien. Dabei sind die Skelette „irritiert“, sogar Gerippe haben bei Hilleberg Gefühle. Auch der Geisterjäger und die beiden Frauen bei ihm bekommen es mit Untoten zu tun. Dieses mal können sie sogar sprechen. Das alles nimmt ihnen ein wenig den Grusel für mich. Gerade eine seelenlose stumme Front aus Untoten, die keine Angst vor dem Kreuz haben und auf Befehl ihres Meisters stur gegen John vorrücken, war bei Dark immer sehr beklemmend.
Auf der anderen Seite muss ich weiter sagen: Es bleibt noch unheimlich genug, damit ich weiterhin Spaß an der Geschichte habe. Die erste große Enthüllung und Überraschung gibt es, als die Stewardess sich plötzlich auf die Seite der Skelette begibt und von John fordert, nicht mehr gegen sie zu kämpfen. Als die Gerippe den Rückzug antreten, verschwindet sie mit ihnen tiefer im Wald. Und der Geisterjäger trifft auf den Kichergnom.
[COLOR=bbcf83]Meine Gedanken rissen ab, als die kleine Gestalt im Kapuzenmantel die MPi hob und eiskalt abdrückte.[/COLOR] Na mal schauen, wie knapp die Kugeln dieses mal an ihm vorbei pfeifen oder welcher glückliche Zufall ihm das Leben rettet. Es wird schon wieder leicht unangenehm für mich und die zweite Hälfte des Hefts hat gerade begonnen.
Es bleibt eben nicht so einfach. Was John als Skelette sieht, sieht Gloria als echte Menschen. Sie wird von ihnen in ihr Dorf geführt. Und sie wird nicht langsam mal misstrauisch. Für den Plot ist es sicher wichtig, dass sie es nicht wird. Oder dass sie sofort denkt, John sei ein eiskalter Mörder, der irgendwelchen Kindern mit dem Bumerang den Kopf weghaut. Im Dorf trifft sie auch auf die beiden Geocacher, die jetzt der Gegenseite angehören. Sie opfern gern ihr „Fleisch und Blut“ dem großen Marbhà s, das die Stewardess vorkosten darf.
Indes wird John in allerletzter Sekunde von Maxine gerettet, die ihn umstößt, damit er der Kugelgarbe entgeht. Zum Glück legt der Gnom nicht nach, sondern verzieht sich direkt. John jagt hinterher, während Maxine Verstärkung holt. So verpasst der Geisterjäger Carlotta, die zu Maxine fliegt und noch ein Gerippe in ihren Armen hat, das „ hilflos im Griff des Vogelmädchens zappelte“. Manchmal sind die Knöchernen wirklich schaurig und dann gibt es wieder Szenen wie hier, so sie ihr Gruselpotential völlig verloren haben.
[COLOR=bbcf83]Es sah beinahe mitleiderregend aus, wie das Skelett versuchte, sich aus dem Griff des Vogelmädchens zu befreien.[/COLOR]
Carlotta macht sich aber gleich wieder auf den Weg, denn sie hat ja das Kreuz und will John einholen, um es ihm zu überreichen. Maxine versucht sie zwar noch aufzuhalten, aber wieder fliegt Carlotta alleine los und zieht ihr Ding durch. Ja, dieses mal ist sie in ihrem Verhalten wieder etwas nervig, muss ich sagen.
Die Entwicklungen im Dorf der Verfluchten werden immer tragischer. Gloria verfällt kichernd dem Wahnsinn, weil das alles zu viel für sie ist. Sie soll nun auch im Brunnen landen. John hat das Dorf endlich erreicht und erledigt eher unfreiwillig ein Skelettkind.
[COLOR=bbcf83]Ich stolperte und fiel, versuchte, mich irgendwie mit den Armen abzustützen, ohne meine Waffen dabei loszulassen. Und so kam es, wie es kommen musste. Die kleinen Skelette wollten zurückweichen, waren aber nicht schnell genug. Knirschend bohrte sich das Ende des Bumerangs in den Brustkorb des rechts von mir stehenden Knochenkindes.[/COLOR] Da war wieder mal meine Hoffnung umsonst, dass es endlich mal simple Gegenspieler gibt, hinter denen keine Geschichte steckt. Irgendwas Böses, das vernichtet werden muss und fertig. Erst Ghouls, jetzt Gerippe. Sowas brauche ich in meinen Gruselheftchen echt nicht. Gloria bekommt das alles natürlich mit. Deshalb darf der Geisterjäger wie auch im Ghoulabenteuer seine menschliche Seite heraushängen lassen.
[COLOR=bbcf83]Es war meine Schuld! Ich hätte Gloria niemals mitnehmen und einer solchen Gefahr aussetzen dürfen. Ebenso wenig wie Carlotta, von der ich immer noch keine Federspitze sah.[/COLOR] Es sind zwar andere Dinge, aber irgendwie folgt es dem gleichen Muster, beziehungsweise es sind die gleichen Punkte, die abgearbeitet werden.
Maxine wird am Wagen von den verfluchten Gerippen mit Ästen und Steinen abgeworfen, bevor sie handgreiflich werden. In letzter Sekunde erscheint die alarmierte Davina McCarthy auf der Bildfläche und rettet Maxine das Leben. Kein Dundee-Roman von Hilleberg ohne seine Davina.
Schließlich mischt sich die Gottheit im Hintergrund selbst noch ein. Ein Spinnenwesen, dessen Körper allein die
[COLOR=bbcf83]Größe eines kleinen Einfamilienhauses[/COLOR] hat, ohne Beinchen. War klar, es muss die Superlative sein. Die arme Gloria stirbt einen grausamen Tod, als sie von ihm gefressen und schließlich als Gerippe wieder ausgespuckt wird.
[COLOR=bbcf83]Dann war ich an der Reihe.[/COLOR] Denkt John jedenfalls. Carlotta hat das alles versteckt beobachtet und der Heftromanzufall hilft ihr.
[COLOR=bbcf83]registrierte Carlotta aus dem Augenwinkel einen blitzenden Reflex am Boden. Der magische Bumerang.[/COLOR] Sie krallt sich den Bumerang und ruft John, um ihm das Kreuz zuzuwerfen. Schlechtes Heftromantiming, denn gerade jetzt knattert kurz eine MP-Salve, in der ihr Ruf untergeht. Tja.
[COLOR=bbcf83]Dann tat sie das Einzige, was ihr noch übrig blieb: Sie schleuderte den Bumerang.[/COLOR] Obwohl die Verfluchten auf sie aufmerksam werden, kämpft sie sich bis zu John vor, damit sie ihm das Kreuz zuwerfen kann. Dieses mal muss es aber klappen! Tut es und die obligatorische Kreuzformel regelt den Rest. Der Götze zieht sich zwar zurück, aber eigentlich wäre die unmittelbare Gefahr gebannt. Nun muss Carlotta jedoch wieder eine ihrer unfassbar dämlichen Aktionen durchziehen. Sie verfolgt den Obermotz und hat mehr Glück als Verstand, dass sie nicht entdeckt wird. Und sie weiß nun, wo er sich versteckt.
[COLOR=bbcf83]“Dieses Ding versteckt sich im Labor von Professor Elax.“ Ihre Stimme zitterte. „Also genau dort, wo ich aufgewachsen bin!“[/COLOR] Zum Schluss nochmal ein wahnsinniger Zufall, AHHH. Muss das denn sein?
Ok, ok. Die vielen Zufälle und Heftromantimings sind zwar für mich störend, aber machen natürlich keinen ganzen Roman kaputt. Das Abenteuer könnte trotzdem noch unterhaltsam sein und eine gute Note bekommen. Doch dabei bleibt es ja nicht. Es kommt einiges zusammen, was mich an Hilleberg stört. Der humorige Smalltalk. Die tragische Hintergrundgeschichte der vermeintlichen Monster. John darf wieder richtig verzweifeln. In der 2182 fand ich das Vogelmädchen noch erträglich und genau richtig beschrieben. Etwas leichtgläubig und naiv, was einfach ihr Charakterzug ist. Aber auch durch ihre inzwischen vielen Erfahrungen erwachsen. Keine Ahnung, warum Hilleberg für diesen Roman auf Darks Version von Carlotta zurückgreifen muss und sie sich einfach dämlich verhält. Ihr passiert dann doch nichts und sie hat ihre heldenhafte Momente, aber nur, weil sie mehr Glück als Verstand hat.
Es tut wieder weh in meinem Fanherzen. Ich hoffe jedes mal auf einen simplen Gruselfall in Florians spitzenmäßiger Schreibe. Das sieht dann eine Weile ganz gut aus, wird in der Zweiten Hälfte aber „komplizierter“. Für mich der unangenehmste Hilleberg seit einiger Zeit.

:baff: :baff: :baff: :baff: (Knappe 6 von 10 Kreuzen)
PS. Glorias „Visionen“ ergeben trotz der Erklärung
[COLOR=bbcf83]Genau das hatte Gloria gesehen, als sie mit dem Flugzeug den Ort überflogen hatte. Menschen mussten zu Skeletten werden, damit aus Skeletten Menschen werden konnten.[/COLOR] keinen guten Sinn für mich. Ok, die Gerippe im Dorf sieht sie als Menschen. Weil es mal Menschen waren, denen sozusagen nur durch den Fluch das Fleisch abgezogen wurde. Die Menschen im Flugzeug sieht sie als Gerippe, weil die Dörfler weitere Menschen zu Gerippen machen müssen, um ihrerseits wieder zu Menschen zu werden. Aber ob es die Passagiere erwischt, weiß sie doch gar nicht. Es ist nicht so, als würde sie hier in die Zukunft sehen. Bei der ersten Begegnung mit den Dörflern im Wald müsste sie Maxine und John ebenfalls als Gerippe sehen, was sie nicht tut. Genau genommen müsste sie mit Florians seltsamer Erklärung sich selbst skelettiert sehen, wenn sie nebenbei einen Blick auf ihre Hände wirft. Och Mensch, wieso konnte der Autor es nicht einfach bei einem bösen Götzen, seinem gnomischen Handlanger und ihren bösen Skelettdienern belassen?