Der Roman hat mich von Anfang bis Ende gefesselt, auch wenn ich die ein oder andere Passage zweimal lesen musste, bis es vernünftig angekommen war (besonders die Erklärung von Mandra, wieso er John und Co nix von den Dolchen sagen sollte, Vertrauenbeweis, etc.

).
Alles hatte seinen Grund und eine Bedeutung und jede Gottheit ihre Daseinsberechtigung:
Vishnu: er wollte Mandra auf den Plan bringen, erzählte ihm von einer großen Gefahr und bescherte ihm die 5 fehlenden Dolche; außerdem half er bei der Besänftigung des erzürnten Indra
Kali: für sie sollte das Opfer dargebracht werden, um sie zu stärken und wohl auch, in Anbetracht der Gesinnung des Vermummten, um ihr zu zeigen, dass er wertvolle Dienste leisten kann. Außerdem legte sich ihre Aura um Malhorta, wurde aber wieder zurückgedrängt, weil das mit dem Opfer darbringen nicht so klappte ...
Indra: um den alten Gott und seinen Zorn ging's in diesem Roman ja vorrangig. Immerhin sollte seine Hohepriesterin gekillt werden und dann auch noch für ne völlig inakzeptable Göttin! Außerdem hat er maßgeblich bei der Auffindung und Rettung Shantas geholfen ... uuuuund ... man wird wohl noch in Zukunft mal auf ihn zurückgreifen können, was vielleicht nicht das Verkehrteste ist, wenn man bedenkt, dass der Vermummte wohl um Kalis Gunst buhlte ...
Es gab gute spannende Momente, z.B. die Szenen um die Hohepriesterin Indras, wie auch um den Vermummten, der Suko fast gekillt hätte. Genau wie auch die Ereignisse aus Mandra Korabs Bericht, wie er durch Vishnu überhaupt involviert wurde und zudem, mit etwas "Hilfe" des Asuras, an neue Dolche gelangte ... oder der Auftritt Vishnu's durch Mandra ... und dann noch Indra himself, als er Fremont auf den Pelz rückte.
Etwas gewöhnen musste ich mich zunächst an den "Ich"-Part von Mandra Korab. John ist "ich" ... und jetzt war das ein anderer ... und auch noch an mehreren Stellen.
Aber es war immer schön gekennzeichnet und da es ein Bericht von Mandra war, wäre es wohl auch blöd gewesen, ihn von jemand anderem erzählen zu lassen. Daher war die "Ich"-Version hier schon ok

Ehrlich gesagt fand ich's auch schöner, mir die Ereignisse um die fünf Dolche von Mandra direkt erzählen und gleichzeitig erleben zu lassen, als wenn er John später mal eben in wenigen Sätzen auf den neusten Stand bringt.
Auch die Geschichte um Shanta Fremont war interessant und spannend gestaltet, besonders als sie in die Fänge der Kali-Anhänger um Raghay Malhorta gerät. Der Typ ist ja auch ne knallharte Socke.
Auf jeden Fall hat er sichtlich Spaß am Foltern für die "gute Sache" ... nämlich um Kali zu stärken, die das Opfer einer Hohepriesterin von Indra natürlich toll findet.
Aber noch einen mächtigeren oder sogar erhabeneren Eindruck machte der Vermummte.
Er wirkt respekteinflößend, was sogar Malhorta wusste. Und der wiederum sollte seiner Herrin erzählen, dass der Vermummte wertvolle Dienste leistete und sein Wort hielt ... das war der Deal. Will der Vermummte also Kali auf seiner Seite wissen? Ist er ein Drahtzieher oder nur ausführende Gewalt für was größeres?? Ein bisschen fühlte ich mich bei seiner Beschreibung an Luzifer, bzw. ganz besonders an Matthias erinnert ... kalte, hellblaue Augen, strahlt eine deutlich spürbare, unsichtbare Aura der Macht aus ... der mächtige, bläuliche Feuerring um Sukos Hals ... Luzi hat doch da eh noch so'n Masterplan in petto ... aber vielleicht haben Luzi und Matze ja noch ne
linke Hand gebastelt, die da jetzt mitmischt ... ?!
Am Ende scheint der Plan des Vermummten allerdings nicht so ganz aufgegangen zu sein. Vielleicht wollte er ja, dass sich zumindest Indra und Kali ihre Arme um die Ohren hauen und sie gegeneinander aufhetzen, unkontrolliert wüten lassen ... und da reagiert Indra plötzlich anders, als erwartet: er tötet nicht, er betäubt nur. Dann muss der Vermummte auch noch den quietschfidelen Suko verdauen, der seltsamerweise dem Feuerring entkommen war. Dann, als es ihm zu brenzlig wird, verzieht er sich .... und er kann sich tarnen, für göttliche, wie auch für menschliche Augen unsichtbar machen ... Sowas kann der? Also muss er ja echt was drauf haben ...
Der alte Gott Indra in seiner
Sindbad-Klamotte hatte auch was, irgendwie war der mir sogar sympathisch, selbst als er mal eben im Jähzorn durch den Verhörraum des Yard wütete und Colin Fremont fast erledigte.
Dass er dann nachher so schnell einlenkt und bestürzt ist, als John ihn anbrüllt und mal kurz darüber aufklärt, was der alte Gott da angestellt hat ... das klang in meinen Ohren dann etwas befremdlich. Nun ist Indra ja kein wirklich böser Gott, er ist halt jähzornig und lässt das auch raushängen ... wie so mancher Mensch eben auch. Und vielleiht hatte er sich da dann halt doch noch besser im Zaum, so als Gott, wie so mancher jähzornige Mensch in so einer Situation ... ?!
Auch die beiden Polizisten Andy Newt und Ben Kippler wirkten nicht,wie bloße Schachfiguren, auch sie bekamen etwas Persönlichkeit.
Besonders ein typisches Gespräch, wie man es auch in vielen 80er Jahre Krimi/Action-Serien findet:
der erfahrene Ältere, der den jungen Heißsporn in seine Schranken weist und ihn daran erinnert, Respekt zu wahren.
Bei Suko sieht's zuerst so aus, als wird er "rausgezogen" aus dem Fall, doch dann steckt er sogar selbst mittendrin und bezahlt das fast mit seinem Leben. Der vermummte Knilch hat ihm ein Ding verpasst, von dem er sich nicht befreien kann: eine Art magisches Würgehalsband, das sich immer weiter zuzieht.
Selbst John und Mandra haben zunächst Mühe und können es nicht fassen, dass weder Kreuz, noch Dolch da helfen. Zum Glück fällt John noch die Dämonenpeitsche ein, die Suko immer dabei hat und kann den Halsring damit vernichten.
An zwei Dinge hab ich mich kurzzeitig erinnert gefühlt und musste leicht schmunzeln:
einmal die Szene in der dimensional überlagerten Fabrikhalle. Irgendwie hab ich da die ganze Zeit die "Opfer-Szene" aus
Indiana Jones und der Tempel des Todes vor mir gehabt^^
Als im Yard Vishnu (mittels Mandra) in ohrenbetäubendes Gebrüll verfällt und John dann schnackelt, dass der sich nur kurz mit Indra unterhält, tänzelte plötzlich Alanis Morissette als
Gott vor meinem geistigen Auge rum, die
Bartleby in
Dogma mal kurz totbüllt und alle anderen sich die Ohren zuhalten müssen;)
Tja, wenn göttliche Unterhaltungen stattfinden, soll halt nix an unwürdige Ohren gelangen ...
Und ich denke, oder eher hoffe, dass Indra damit auch noch nicht vom Tisch ist (u.a., weil mir seine "vermenschlichte Art" gefällt).
Immerhin hat er John noch versichert, dass er seine Schuld eines Tages begleichen würde.
Vielleicht kann er das ja in Zusammenhang mit der Dunklen Macht, dem Vermummten, der drohenden Finsternis tun (und möglicherweise sogar noch mit nem Hauch von Lucanda, die sich ja eigentlich nur auflöste ... vielleicht hatte sie ihren Körper noch rechtzeitig verlassen können, da sie ja als sehr mächtig betitelt wurde ... ?!) ... und dann auch noch die Sache mit dem Schwert der Engel ... und wenn man auch noch an Egeas Demeter samt Töchterchen denkt, gepaart mit dem Alten der Meere, der Mutter der Monster und dem wohl noch vorhandenen letzten Fragment des Schwarzen Doms .... hier werden in letzter Zeit Dinge in den Raum geworfen ...
Da dürfte ja noch so einiges auf uns Leser zukommen
Die indischen Gottheiten, sowie ihr Wirken, waren interessant und ihre Auftritte selbsterklärend und plausibel dargestellt, jeder von ihnen hatte in diesem Roman seine Berechtigung. Und ganz besonders Indra, bzw. der Zorn dieses alten Gottes ... und u.a. auch, wenn man an sein Versprechen denkt ...
Dieser Roman hat mir jedenfalls
sehr gut (mit Tendenz nach oben) gefallen!! :thumbup:
Das Cover ist ok, zeigt die Szene im Yard, denk ich mal ... als Fremont angegriffen wird ..
P.S.: Warum wird das Kreuz bei Vishnu/Mandra eigentlich warm und bei Indra nicht??
John lässt's ja frei rumbaumeln, damit Indra das AUM sieht ... aber es erwärmt sich doch nicht.
Oder tut es das vorher bei Vishnu, weil der Mandra ja quasi besetzt ... wobei es ja freiwillig passiert ... hmmmm ...