„Titel wechsel dich, oder; es heißt nicht immer so, wie es heißt“
Da es gerade nicht für einen „richtigen“ Hintergründe-Artikel reicht, wollte ich euch ein bisschen Schnack über den Gartenzaun zum Thema „Titel“ tippen. (Sämtliche Interpunktionsverwirrnisse sind nur ein Symptom des allgemeinen Wahnsinns, man möge ihrer Gegenwart mit Nichtbeachtung begegnen.)
Here we go.
Wie wir seit dem Wochenende wissen, wird der 11. Teil von MUSGRAVE
„Die Nacht der Vogelscheuchen“ heißen. Aber ... das war nicht immer so.
Zunächst haben die Romane bei mir einen Arbeitstitel, der manchmal nur in meinem Kopf existiert (häufig englisch, aber nicht immer). Es kommt aber auch vor, dass der Verlag nochmal was dran drehen muss, weil beispielsweise etwas mit ähnlichem Titel zeitnah herauskommt.
Hier eine kleine, nicht ganz vollständige Aufführung der Titel, wie sie gedacht waren und was dann passierte:
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Der Schrecken aus dem Meer: Da war ich zunächst ziemlich am Grübeln, entschied mich dann aber für „Der Schrecken von Musgrave Hall“. Aber, ätsch! Zeitlich nah erschien „Der Schrecken von Crannock Hall“ (GK 75, Simon Borner). Drum machte Britta einfach den Schrecken aus dem Meer daraus – a star is born!

Oder so.
(Ich hatte als herumdümpelnde Idee für einen Seriennamen auch mal „The Musgrave Files“ im Kopf.
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Die Bestie von Baldoon: Da war der Titelwechsel gar nicht so groß, sondern eher ein „kurz daneben gedacht“, so wurde aus der „Bestie“ ein „Biest“. Seinen Job hat es aber so und so einwandfrei erledigt. The Beast of Baldoon klingt auch englisch sehr schön.
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Der Dämon von Talamh: Joa ... da wüsste ich spontan nicht, dass sich im Titel etwas geändert hätte. (Allerdings war hierfür ein Werkstattbericht vorgesehen, der dann nicht mit ins Heft kam, sondern im Forum erschien.)
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Die Klauenhände von Milchester: Auch hier, soweit ich mich erinnere, keine Veränderung. Allerdings habe ich länger überlegt, wie ich diesen Roman nennen will. Manchmal ist es gar nicht so leicht, etwas Prägnantes zu finden, das gut klingt, nicht spoilert und auf das Cover passt.
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Der Lange Mann: Uh ... that one. Dieser Roman begann mit einer einzelnen Szene in meinem Kopf. Eliza und Harker, neben einem Haus auf einer weiten Wiese. Nebel, blaustichiges Licht. Eliza schaut zu einem Fenster im ersten Stock auf und fragte: „Wie ist er da rauf gekommen?“ – The Long Man. (Nicht verwandt mit Long Meg und ihren Töchtern, einem Steinkreis südlich von Glassonby, Cumbria) So hieß er von Anfang an. Diesen Roman hatte ich von Anfang an deutlich vor mir.
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Geister, die in Wänden lauern: Oh ... – ja. Ähm. Ja. Original hieß der Roman „Die Toten von South Marsh House“. Dass der Titel angepasst wurde, fand ich in dem Moment heraus, als er in der Vorschau beim großen A erschien^^“ Ich war ein bisschen sehr irritiert und fragte unsere liebe Chefin, wie dies käme. Und lieb wie die liebe Chefin ist, sprach sie zu mir: „Dafür hatte ich ein passendes Cover.“ – Auch so kann es manchmal gehen.
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Die verlorenen Mädchen: Der hatte ein paaaar Namen. Mein interner Arbeitstitel war „Murder at the Annex“, wegen des Spitznamens/Rufnamens, den die Schule trägt. Später landete ich bei „Die bleiche Hand“. Nur ... wieder kam mir ein anderer Kollege zuvor: „Die Geisterhand“ (GK 144, Brian Elliot) Hmpf. Grübel-grübel ... Ich entschied mich für die „verlorenen Mädchen“.
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Der Kuss der bösen Fee: Da war ich auch etwas am hin und her schieben von Möglichkeiten. Irgendwo stöberte ich in meinem inneren Archiv etwas auf, das ich anderswo gelesen hatte. Es mag „der Fluch der bösen Fee“ gewesen sein. Und da diese Fee ihre Opfer auf nahkörperliche Weise schädigt, lag der Kuss nah.
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Die Stunde der Hexen: Die gute alte „witching hour“. Die „Stunde“ im Titel sollte aber auch andeuten, dass mit dem Auftauchen dieser Hexen noch mehr folgen werden. Es ist der Teil der Serie, in dem die Wiederverzauberung der Welt in die Öffentlichkeit durchbricht. Wir lernen hier auch Roderick Craine kennen, der Eliza und die Gang fortan immer wieder beschäftigen wird.
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Crossover – Im Schatten der Lamia: Hieß eigentlich „Im Kernschatten“. Die Sonnenfinsternis, die mit weiteren astronomischen Phänomenen zusammenfiel, war hier der entscheidende Punkt. Außerdem markant und kompakt.
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Der schreiende Schädel von Chattenham House: Wie jemand richtig anmerkte, wird aus Solidarität das letzte Wort als „Housche“ ausgesprochen ... Auch hier lag der Titel im Prinzip nah, kam mir aber zu lang und etwas zu ch-ch-ch für die deutsche Sprachgewohnheit vor. Verlag sagt. Koi Ding! Des nemma! – Des nemma. Bin damit sehr einverstanden. Mein alternativer Vorschlag „Der Kopf der Lady Agnes“ gefiel mir selbst nicht sehr.
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Die Nacht der Vogelscheuchen: Da verwirrzwirbelte sich kurzzeitig etwas in meinem Gehirn. Ich scrolle eines Tages so durch das Forum, denke an nichts besonderes ... und lese den Titel „Das Dorf der Vogelscheuchen“. Scrollscrollscroll ... – was? Das konnte doch unmöglich im Forum stehen, das war doch ... noch auf meinem Schreibtisch? – Nun. Great minds think alike: Logan Dee hatte den gleichen Gedanken und seinen John Sinclair 2485 genau so benannt, wie ich Musgrave 11. Hmpf ... Ich zergrübelte mir also die kleinen grauen Zellen und landete bei „Der Tod der Mrs Maberly“. Im Verlag klöppelte man an einem Cover und fand, ein eeetwas anderer Titel passte besser aufs Bild. Aber wie ich so bin; ich nörgle höflich aber bestimmt, wenn ich nicht so sehr glücklich mit etwas bin. Und wie the mothership am Rhein so ist: Man erhört mein Nörgeln. Ich schlug „Der Zorn der Vogelscheuchen“ vor. Aber den Zorn haben wir nun schon in „Der Zorn des Wächters“ (GK 204, Henry Cardell). Und so viel aufgepeitschte Gefühle so kurz nacheinander ... Wir sind ja nicht der Fight Club

Alexander, unser aller GK-Redakteur/Lektor schlug die „Nacht“ vor, was aus mehreren Gründen gut passte. Voila! Die Nacht der Vogelscheuchen.
Und nun mal unter uns:
Was meint ihr, wieso muss Mrs Maberly sterben?
Yours truly